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in Vorbereitung: 3onTour!
China II – Xinjiang 2 (Uli)

  
China
7. November 2008

China II – Xinjiang 2 (Uli)

29.9.2008 - 4.11.2008

10207 km, Dunhuang (CN)

Kaschgar – Aksu – Korla – Toksum –Turpan – Hami – Xingxingia (Grenze zu Gansu) (2.113 km)

15 Tage Kaschgar.
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Sonnenuntergang in der Wüste (CN, Oktober 2008)
Sonnenuntergang in der Wüste (CN, Oktober 2008)
Aber irgendwann ist es Zeit wieder aufzubrechen. Für uns ist dies am 29. September 2008. Ich freu mich, wieder „on the road“ zu sein, für Bine ist es schwieriger vom bequemen Leben Abschied zu nehmen. Aber am Abend – in der ersten Nacht im Zelt in der Wüste unter sternenklarem Himmel – ist alles wieder so wie es sein soll. Gut. Wir radeln entlang der Nördlichen Seidenstrasse Richtung Korla und weiter nach Hami und der nächsten Provinz Gansu. Ganz im Gegensatz unserer Erwartungen ist dies nicht eine komplett einsame und versorgungsarme Strecke durch die leere Wüste. Es gibt mehr Orte als in unserer Karte eingezeichnet, und gerade während der Zeltplatzsuche haben wir sehr oft Schwierigkeiten, einen guten Platz zu finden.

Routine finden

Die Strassen in China sind wahnsinnig gut. Atemberaubend, wie schnell China sich modernisiert. Steigungen sind minimal und so gleiten wir zügig gen Osten. Wasser nehmen wir immer genügend mit, denn manche Ortschaften liegen schon so um die 100 Kilometer auseinander. Immer fragen wir nach der Distanz zur nächsten Wassermöglichkeit, um sicher zu gehen. Mittags versuchen wir in einem Ort und einem Truckstop zu landen, denn dort gibt’s für nur ein paar Cent vorzügliches Essen. Aufgrund von verständlichen Kommunikationsproblemen begeben wir uns also meist in die Küche, und zeigen auf verschiedenes Gemüse, Nudeln oder Reis.
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Das chinesische Essen ist einfach super - überall. Truckstop entlang der Nördlichen Seidenstrasse (CN, Oktober 2008)
Das chinesische Essen ist einfach super - überall. Truckstop entlang der Nördlichen Seidenstrasse (CN, Oktober 2008)
Danach zeigen wir ihnen 2 chinesische Sätze, die wir uns in Kaschgar haben aufschreiben lassen. "Bitte nicht scharf!“ ist der eine, und „Bitte kein Fleisch!“ der andere. Das klappt alles sehr gut, und kochen können die Chinesen wirklich vorzüglich. Wenn wir uns da an die kulinarisch tristen Stan-Länder zurückerinnern... Anfangs fragen wir noch im Vorhinein nach dem Preis, aber das gewöhnen wir uns schnell ab. Alle Menschen sind hier sehr ehrlich. In Tibet habe ich das ganz anders in Erinnerung, da haben wir um einen fairen Preis richtiggehend streiten müssen. Ich hätte nicht gedacht, dass Bine und ich uns mit den Uiguren, aber vor allem mit den Chinesen so gut verstehen. Sie sind ehrlich, und alle sehr freundlich. Ok, sie grüssen nicht von sich aus oder überschwenglich, wie die meisten Menschen in den arabischen Ländern. Aber bei etwas „näherem“ Kennenlernen entpuppen sich fast alle als freundlich und humorvoll. Als wir an einem Truckstop von unserern 9.000 Kilometer hierher berichten, greift sich die Köchin gleich auf ihren Hintern, „Auuhhh!“.
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Am Rande der Takla Makan Wüste - Nördliche Seidenstrasse (CN, Oktober 2008)
Am Rande der Takla Makan Wüste - Nördliche Seidenstrasse (CN, Oktober 2008)
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Typischer Truckstop entlang der Nördlichen Seidenstrasse am Rande der Takla Makan Wüste (CN, Oktober 2008)
Typischer Truckstop entlang der Nördlichen Seidenstrasse am Rande der Takla Makan Wüste (CN, Oktober 2008)
Aksu ist – nach Kaschgar – unsere zweite grössere Stadt. Alle Städte hier in West-China haben etwas gigantomanisches an sich. Meist führen 6-spurige Strassen, plus Radwege plus Alleen in die Städte hinein. Hochhäuser überall, Geschäfte. Alles sehr sauber und kontrolliert. Ampeln, Polizisten. So werden alle Städte der nächsten 4.000 Kilometer aussehen. Ein Hotel für 10 Euro ist schnell gefunden, und wir dürfen dort übernachten. Viele Hotels dürfen nämlich keine Ausländer aufnehmen, und so haben wir schon Erzählungen gehört, wo Reisende von einem Hotel zum anderen geschickt werden, ohne ein Zimmer zu finden.

Juppiiee, zurück nach Kaschgar

Schnell finden wir gute Basare, um unsere Lebensmittel aufzustocken. Und Supermärkte eignen sich für Luxussachen wie Marmelade oder Kaffee. Kleine Garküchen machen super Momons, Teigtaschen. Da gehen wir gleich öfters hin. Hier versuchen wir, unser Visum zum ersten Mal zu verlängern. Doch leider, hier kann es das PSB (Public Security Bureau) nicht machen. Wir sollen nach Korla – eine Riesenstadt weitere 500 Kilometer östlich von hier. Da wir uns aber nicht sicher sind, ob es dort wirklich klappen wird, entschliessen wir uns auf Nummer sicher zu gehen. Wir nehmen einen Bus und fahren die 500 Kilometer zurück nach Kaschgar. Einen Tag müssen wir leider warten, aber in unserem altbekannten Chinibagh Hotel treffen wir wieder bekannte Reisende (ebenfalls zur Visaverlängerung hier). Und es gibt schlechtere Orte als Kaschgar um warten zu müssen. Mit einer weiteren 1-monatigen Aufenthaltserlaubnis für 16 Euro in der Tasche gehts dann von Aksu aus wieder mit den Rädern weiter nach Korla. Wir radeln zwar am Rande der Takla Makan Wüste, aber hier am Rande des Gebirges gibt es Bewässerungssysteme, und daher mehr Landwirtschaft als wir erwartet haben. Baumwolle ist das Produkt Nummer Eins hier. Momentan ist noch Erntezeit, händisch wird die Baumwolle gepflückt, und mit kleinen Traktoren zu grossen Aufbereitungsanlagen gefahren. Dort stehen die Bauern Schlange, um ihr Produkt abliefern zu können. Schliesslich und endlich sehen wir noch 2 oder 3 grosse Textilfabriken, wo die Baumwolle schliesslich und endlich gänzlich verarbeitet wird.
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Überflutet Baumwollfelder in Xinjiang Provinz (CN, Oktober 2008)
Überflutet Baumwollfelder in Xinjiang Provinz (CN, Oktober 2008)
Dass es auch sehr arme Menschen gibt, merken wir unter anderem daran, dass es Leute gibt, die auf der Strasse einzelne Baumwollbällchen, die von den Fahrzeugen hinunterfallen, sammeln. Auch Kleinvieh macht Mist. Wir sehen auch riesige Flächen in tiefroter Farbe. Es sind dies Millionen von Paprikaschoten, die momentan gerade zum Trocknen aufgelegt werden. Ein tolles Farbenspiel. Baumwollfelder müssen intensiv bewässert werden, und liegen daher in kleinen „Becken“, wo das Wasser nicht abrinnen kann. Günstig auch für uns zum Kampieren, wenn die Felder schon abgeerntet sind. Eines Abends – als wir unser Zelt schon aufgestellt haben - kommt noch ein Bauer vorbei, und deutet an, dass wir das Zelt wo anders aufstellen sollten. Wir tun dies, und gut so – am nächsten Morgen liegt der ehemalige Kampierplatz einen halben Meter unter Wasser... Die Temperaturen nehmen nun täglich ab. Noch ist es möglich, an einem windgeschützten Ort zu Mittag zu kochen. Denn ab Korla geht’s einige Male die Bergketten hinauf, und da sind Orte rar gesäht. Unsere Thermoskanne kommt immer mehr zum Einsatz.

Gefangen mitten in der Wüste

Manchmal sind wir gezwungen, auf der Autobahn zu radeln, da die alte Bundesstrasse nicht mehr existiert. An sich sind Autobahnen super zum Radeln: eigener, breiter Randstreifen, wenig Verkehr, guter Belag. Aber es gibt 2 gravierende Nachteile. Autobahnen werden in China auf beiden Seiten und vollständig mit Stacheldrahtzäunen begrenzt. Der Grund ist mir nicht klar. So ist man dann tatsächlich auf einem schmalen Korridor gefangen, ohne Schlafmöglichkeit. Und zweitens gibt es keine Ortschaften entlang der Highways, und damit kein Essen und keine Einkaufsmöglichkeit. So meiden wir wo’s geht die Autobahnen.
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Noch Fragen? Strassenschild in Xinjiang (CN, Oktober 2008)
Noch Fragen? Strassenschild in Xinjiang (CN, Oktober 2008)
Vor Heshuo geht’s aber nicht anders, und in der Dämmerung suchen wir fieberhaft nach einem Ausschlupf aus dem Korridor. Keine Chance. Schon sehr spät gelangen wir endlich zur nächsten Ausfahrt, nach einigen Kilometern herumirren, wuchten wir unsere Räder – es bereits fast dunkel – über ein Bahngleis, und stellen das Zelt rund 2 Meter neben und unterhalb der Geleise auf. Jede Stunde hebt es uns von der Matte, wenn ein Zug vorbeidonnert. Und das geht die ganze Nacht so... In nächsten kleinen Kaff müssen wir pausieren, da ich krank bin. Ausserdem nervt die Ausländerpolizei, Touristen steigen hier sicher nicht oft ab.

Der Winter naht

Meist haben wir wenig Wind, und oft kommt er von hinten. Nur an manchen Abschnitten haben wir ordentlich zu kämpfen. Einmal kommt sogar Regen vom Himmel! Und es stürmt ganz grauslich. Auf dem Weg nach Toksum gibt es regelrechte Passauffahrten. Nun ist es erstmals richtig kalt, und ehe wir uns versehen, fängt es zum Schneien an. Oben angelangt sind wir komplett unterkühlt. Ein kleines Häuschen der Polizei rettet uns, und wir können uns in der warmen Wachstube etwas aufwärmen. Danach packen wir erstmals unsere richtige Winterausrüstung aus – dicke Fäustlinge, Gesichtsmaske, Haube, Kapuze...
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Tolles Panorama am Morgen - vor dem Turpan Becken (CN, Oktober 2008)
Tolles Panorama am Morgen - vor dem Turpan Becken (CN, Oktober 2008)
Danach geht’s nocheinmal auf 1.800 Meter hinauf, beim Runterrollen nach Toksum friere ich elendiglich. Schnell suchen wir eine Kampiergelegenheit und wärmen uns im Zelt auf. Der Winter kommt mit deutlichen und lauten Schritten auf uns zu, das merken wir. Am nächsten Morgen geht die Abfahrt, bei Kälte aber tollem Sonnenschein, weiter. Weit hinunter. Bis auf rund 150 Meter unter dem Meeresspiegel! Wir haben das Turpan Becken erreicht. Hier ist es noch deutlich wärmer, sogar kleine Schlangen huschen hier noch über die Strasse. Und die ist eine sehr nette, kleine und enge Strasse, die durch kleine Dörfer führt. Das sehen wir in China zum ersten Mal. Um Turpan herum gibt es viel Wein, und es herrscht eine sehr schöne Herbststimmung. Die letzten Weintrauben werden noch geerntet, die Laubbäume verfärben sich gelb und rot. Turpan selber ist enttäuschend. Die meisten Lokale haben schon geschlossen, und ansonsten gibt es hier eigentlich überhaupt nichts zu sehen.

Schöner Abschied

So gehen wir die letzte Etappe in Xinjiang an, den Weg nach Hami. War die
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5000'er Gipfel nördlich der Seidenstrasse (CN, Oktober 2008)
5000'er Gipfel nördlich der Seidenstrasse (CN, Oktober 2008)
Nördliche Seidenstrasse eigentlich nur ansatzweise schön zum Radeln mit wenig spektatkulären Aussichten auf die Berge, so ändert sich das auf den letzten 600 Kilometern in dieser Provinz. Die Berge sind teilweise schneebedeckt, und die Strasse geht hinauf und hinunter, Kamele im Winterfell grasen an den kargen Hängen, und sehr schöne Zeltplätze sind leicht zu finden. Meist haben wir morgens und vormittags Gegenwind, da meinen wir an diesem Tag nicht wirklich vorwärts zu kommen. Aber nach Mittag ändert sich dies meist, und wir radeln immer über die 100 Kilometergrenze hinaus. Hami ist die letzte grosse Stadt auf dem Weg nach Gansu – der nächsten Provinz auf unserem Weg nach Süd-China-, aber es ist auch nur eine gesichtslose Riesenstadt. Auf den letzten Kilometern wird die Landschaft immer schöner und bergiger. Die letzte Nacht in Xinjiang ist ein dezenter Hinweis auf das, was uns in Gansu erwarten wird. Es ist eisig kalt, und erstmals frieren unsere Wasserflaschen im Innenzelt. Der Winter ist da.
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