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in Vorbereitung: 3onTour!
LAOS I – China nach Vientiane (Uli)

  
Laos
20. März 2009

LAOS I – China nach Vientiane (Uli)

28.2.2009 – 17.3.2009

15260 km, Vientiane (LAO)

Boten-Muang Xai-Pak Mong-Nong Khiaw-mit Boot nach Luang Prabang-Kasi-Vang Vieng-Phon Hong-Vientiane (630 Kilometer; 7.445 Höhenmeter)

Der laotische Grenzposten gibt sich um einiges bescheidener, als der neu gebaute chinesische, nur ein paar Hundert Meter entfernt. Ein niedriges, langes Gebäude, ein staubiger Parkplatz. Mehr nicht. Nach rund einer Stunde haben wir ein Visum und den Einreisestempel in unseren Pässen. Das ist einmal sehr leicht gewesen. Boten, der Ort gleich nach der Grenze, ist allerdings ziemlich deprimierend. Wir suchen nach einem Nachtquartier, doch finden wir nur heisse Baracken und Wohnlöcher. So radeln wir 10 Kilometer weiter, und finden ein ruhiges Guesthouse für 4 Euro, geführt von einer jungen, freundlichen Mutter. Abends versuchen wir was zu Essen zu bekommen. Doch was für ein Unterschied zu China. Hier gibt es eigentlich nichts. In einem Holzverschlag bekommen wir 2 Schüsseln Nudelsuppe. Wir haben schon gehört, dass dies meist das einzige ist, das man am Land in grösseren Orten bekommt.
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Das beste Bier

Abends probieren Bine (sie ist in China zur Biertrinkerin mutiert) und ich das berühmte „Beerlao“, das angeblich beste Bier nicht nur von Laos sondern von ganz SO-Asien. Und auch ich kann sagen: Nicht schlecht, Herr Specht! Viel besser als die chinesischen Leichtbiere. Leider auch doppelt so teuer. Nach einer angenehm, kühlen Nacht radeln wir „richtig“ nach Laos rein. Und die Unterschiede zu den letzten 6 Monate in China sind schon sehr gross. Zum ersten einmal die Offenheit der Menschen. Wenn man (so wie wir) unvorbereitet nach Laos kommt, und nicht einmal die Begrüssung in der Landessprache beherrscht, so hat man es leicht in Laos. „Sabaidee“ hören wir es von allen Seiten. Und die vielen, vielen Kinder, die es in Laos gibt, winken wie verrückt. Und die Erwachsenen lächeln sympathisch und nett zurück. Da fühlen wir uns gleich richtig wohl.

Triste Versorgung

Die Hauptstrasse 13, die einzige Hauptstrasse des Landes, die Laos von Nord nach Süd durchquert, ist eine kleine und an manchen Abschnitten ziemlich schlechte Asfaltstrasse. Der Strassenvekehr ist extrem gering. Private Autos – mit Ausnahme ein paar der berüchtigten 4-Rad Jeeps mit verdunkelten Scheiben – sind fast nicht vorhanden. Kleine Motor-Rikschas, Minitaxis, Busse und LKW machen das meiste aus. Aber wie gesagt, das ist nicht viel. Siedlungen gibt es einige, alle sehr klein und ohne Essensmöglichkeit für uns. Diese sind sehr ursprünglich und für uns beide etwas einmaliges. Die Häuser sind auf Holzpfählen gebaut, mit Schilfdach und komplett aus Holz. Die Dörfer sind einfach, aber sehr wohnlich und gepflegt. Viele der Siedlungen verfügen über keinen Strom.
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Berge gibt es hier – genauso wie in Yunnan in China – nach wie vor. Nach 100 Kilometer und schlechter Strasse sind wir froh, Muang Xai zu erreichen. Wir hatten tagsüber nichts zu essen aufgetrieben. Und wir als verwöhnte Chinaradler haben selber nicht viel mitgenommen. Auch hier tun wir uns schwer, ein Abendessen zu finden. Doch finden wir eine chinesische Küche, und die haben um einiges mehr zu bieten. Am nächsten Tag geht es die ersten 60 Kilometer praktisch nur bergauf. Das Wetter ist gnädig, und die Sonne ist oft hinter Wolken versteckt. Mittags finden wir sogar eine Essenbaracke, und schmeissen uns 2 Teller Nudelsuppe hinein. Oben auf einem Pass warte ich auf Bine. Ein junger Laote setzt sich zu mir und wir unterhalten uns ein wenig. Er hat noch weitere 9 Geschwister! Und es werden vielleicht noch ein paar hinzukommen. Ganz normal in Laos, so scheint es. Die Laotinen fangen spätestens mit 18 Jahren an, Kinder in die Welt zu setzen. Im Vergleich zu China ist die grosse Anzahl an Kindern in Laos augenscheinlich.

Mit dem Boot nach Luang Prabang

Die Landschaft ist super. Sehr schön und interessant zu radeln. Berge, manchmal dichtes Grün und regenwald-artiger Bewuchs auf den Hängen. Und teils malerische kleine Orte aus Holzhäusern. Nach einer fast 30 Kilometer langen Abfahrt erreichen wir dann doch Pak Mong, ein kleiner Ort mit Guesthouse und China-Mann mit lecker Gemüsereis. Nun biegen wir ab von der 13er und radeln nach Nong Khiaw. Der erste Ort dieser Tour, den man als „Backpacker“-Ort bezeichnen kann, mit seinen Vor- und Nachteilen. Zu den Vorteilen zählen vor allem gemütliche Lokale unter Palmen am Fluss, mit einer entspannten Atmosphäre. Und Essen, das nicht nur aus Reis oder Nudelsuppe besteht. So geniessen wir den Ort hier, und verbringen einen netten Abend bei – erraten – gekühltem Beerlao!
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Am nächsten Tag nehmen wir das Boot, das einmal am Tag nach Luang Prabang fährt. Während der Warterei lernen wir einige andere Reisende kennen. Sehr interessant. Das Boot ist ein schmales und langes Boot mit einer Plane über den Sitzplätzen als Sonnen- (oder auch Regen-)schutz. Als alles Gepäck verladen ist, und nur mehr unsere Fahrräder fehlen, erscheint der griessgrämige Ticketverkäufer und verlangt plötzlich 10 Euro extra für unsere Räder. Ich wehre mich natürlich, aber die Räder werden nicht verladen. Der Bandit hat alle Trümpfe in der Hand. Mit einem herzhaften „Fuck you“ meinerseits drücke ich dem Betrüger den letzten Geldschein in die Hand. Das wäre in China nie und nimmer passiert. Die Bootsfahrt ist dann aber sehr nett, wenn auch nicht so atemberaubend wie ich es mir vorgestellt habe. An beiden Seiten des Nam Ou Flusses ist manchmal toller Regenwald. Und manchmal beeindruckende Felswände. Ein paar Dörfer auf Holzpfählen sehen wir ebenfalls. Der Fahrtwind kühlt angenehm. An 2 Stellen müssen allerdings alle Passagiere einige hundert Meter am Ufer zurücklegen, aufgrund von zu seichten Stellen im Fluss. Wohl normal am Ende der Trockenzeit. Es gibt aber auch einige Stromschnellen, und viele kleine Inseln. Bei den Dörfern sehen wir Konstruktionen aus Holz, Kabeln und einer Fahrradfelge, die – angetrieben von der Flussströmung – Strom erzeugt. Toll!

Treffen eines alten Schulfreundes

Rund eine Stunde vor Luang Prabang mündet der Nam Ou in den Mekong. Ab da ist die Fahrt dann nicht mehr so interessant. Ein breiter Strom, die Berge sind etwas vom Fluss gewichen. Schon fast bei Dunkelheit kommen wir in Luang Prabang an. Die Sucherei nach einem halbwegs günstigen Quartier ist mühsam. Das Preisniveau ist ziemlich hoch. Für 7 Euro finden wir dann was akzeptables. Machen uns kurz frisch und eilen zu dem Hotel, in dem Stephan, mein alter Schulfreund, und seine Freundin Astrid abgestiegen sind. Die beiden machen in ihrem Urlaub eine Laos- und Thailand-Reise. Nach fast genau einem Jahr, auch sie haben uns bei der Abfahrt verabschiedet, feiern wir das freudige Wiedersehen mit gut gekühltem Beerlao. Es gibt natürlich jede Menge zu plaudern, und jede Menge zu lachen.
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Zusammen besichtigen wir in den nächsten 2 Tagen Luang Prabang und Umgebung. Das Stadtzentrum selbst ist extrem touristisch. Es besteht praktisch nur aus Hotels, Guesthouses, Lokalen, Bars und Touristengeschäften. Es ist für meinen Geschmack ein bisschen zu viel Disney World. Von einem Hügel in der Stadt überblicken wir Luang Prabang, die zweitgrösste Stadt von Laos. Mit durchgehend niedriger Bebauung und viel Grün ist diese Stadt eigentlich nicht viel mehr als ein grosses Dorf. Vor allem im Vergleich mit einem Ort in China! Die Wats, die Kloster- und Tempelanlagen, für die diese Stadt so berühmt ist – und wegen denen Luang Prabang zum Weltkulturerbe erklärt worden ist – sind toll und sehr interessant. Die Wasserfälle von Kuang Si erreichen wir mit einem Tuk Tuk. Und geniessen tollen Regenwald, einen Wasserfall und eine Abkühlung in den Flussbecken. Nach kurzen 2 Tagen heisst es auch schon wieder Abschied nehmen von Stephan&Astrid. Sie fahren mit dem Boot entlang des Mekong nach Thailand. Und wir – nach 2 weiteren Ruhetagen mit bestem Beerlao – fahren mit dem Radl weiter nach Süden. Richtung Vientiane.

Weiter durch die Berge

Der erste Abschnitt nach Vang Vieng hat es ganz schön in sich. Fast 4.000 Höhenmeter bewältigen Bine und ich mit unseren braven Packeseln. Auf der Strasse liegt plötzlich eine giftgrüne Schlange. Sie ist erst vor kurzem überfahren worden, schade um so ein schönes Reptil. Dünner Körper und relativ breiter Kopf, aufgrund des leuchtenden Grün wohl eine Baumschlange. Am ersten Tag halten wir im Tal nach der ersten Passüberquerung, weil wir für weitere 1.000 Höhenmeter schon zu spät dran sind. Ein offizielles Guesthouse gibt es nicht, aber eine geschäftstüchtige Frau vermietet einen Bungalow an gestrandete Radler. Für verhältnismässig teures Geld. Aber was soll’s. Waschen können wir uns unten im Fluss, Getränke gibt’s in einem kleinen Shop. Und das einzige was es zum Essen gibt, ist kalte Nudelsuppe. Danach müssen wir noch zur Polizei, die unsere Passdaten aufnimmt. Anfangs sind wir noch argwöhnisch, weil wir noch nie von einer Registrierung bei der Polizei in Laos gehört oder gelesen haben. Aber von irgendeiner Zahlung bleiben wir verschont. In der Nacht fangen alle Hähne des Dorfes schon um 3 Uhr früh zum Krähen an. Und Bauchweh quält mich. Früh morgens schwingen ich mich mit Durchfall und Appettitlosigkeit aufs Rad. 23 Kilometer geht’s hinauf. Aber für mich eine reine Quälerei. Da wir langsam sind, kommen wir sogar in die Mittagshitze. 1.000 Meter weiter oben ein Dorf. Und was für eine Überraschung. Wir treffen Beat aus der Schweiz. Per Email haben wir lose versucht, ein Treffen zu organisieren. Beat radelt weiter nach China, wo wir herkommen. Nach rund 10 Jahre „Bekanntschaft“ durchs Internet und diversem Infoaustausch per Email treffen wir uns nun in Natura mitten in den Bergen von Nordlaos! Natürlich gibt’s einiges zu berichten und Infos auszutauschen. So verbringen wir zusammen einen sehr netten Abend bei Reis und Bier. Am nächsten Tag geht’s mir in der Früh recht gut. Aber je mehr Höhenmeter ich trete, desto schwächer werde ich. Kein Hunger, Müdigkeit. So stoppen wir mitten am Nachmittag in Phoukhoun, einem Ort oben in den Bergen. Ich bring ausser ein paar Bananen nichts hinunter. Nächster Tag: schwach, apettitlos. Ich schaff’s bis zu heissen Quellen mit sehr netten Bungalows und einem Restaurant, rund 20 Kilometer vor Khasi. Kommen wie gerufen. So habe ich mehr als einem halben Tag Ruhe. Trinke 3 Liter Rehydrationspulver (noch aus Usbekistan). Langsam geht’s besser. Und hier gibt’s gutes Essen, Ruhe und ein paar andere Reisenden, mit denen wir plaudern. Ein sehr nettes Örtchen hier.

Von Vang Vieng nach Vientiane

Vang Vieng ist der berühmte Backpacker Ort von Laos. Es liegt sehr schön in einem Tal, umgeben von grün bewachsenen, schroffen Bergen. Dort gibt’s natürlich Lokale, Bars und Guesthouses ohne Ende. Billig und gut. Die Hauptbeschäftigungen für all die Touristen hier sind Tubing (mit einem LKW Schlauch den Fluss hinuntertrieben lassen, und währendessen jede Menge Beerlao runterkippen) und alte „Friends“ Folgen auf DVD in den diversen Lokalen anschauen. Und halt Essen und Trinken. Es wäre sicher ein Ort zum Entspannen, wenn mir die arroganten, obercoolen „Backpacker“ und das unfreundliche, laotische Personal nicht so am Nerv gehen würden.
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Mit dem Erreichen von Vang Vieng haben wir die Berge hinter uns gelassen. Und plötzlich sind 100 Kilometer Radeln eine Angelegenheit, die am Nachmittag abgeschlossen ist. Die Ortschaften werden nun zahlreicher, auch der Verkehr nimmt zu. Allerdings immer noch lächerlich wenig, wenn man bedenkt, dass wir uns nun auf der einzigen Hauptstrasse der Hauptstadt des Landes nähern. Eigentlich gibt es gar kein „Hineinradeln“ nach Vientiane, der Hauptstadt von Laos. Die 1-2 stöckige Bebauung der Dörfer hört nicht auf, plötzlich ein paar Ampeln. Und fertig. Wir sind im Zentrum der Hauptstadt! Und als wir dann später in den Strassen und Gassen herumschlendern: Wahnsinn, wie ruhig und „verlassen“ hier die Atmosphäre wirkt. Wie wenig Autoverkehr, wie wenig Menschen hier eigentlich sind. Aber die entspannte Atmosphäre gefällt uns, und abends sitzen wir am Mekong (genauer gesagt neben einer riesigen Schotterbank des Mekongs, der Fluss ist hier gar nicht sichtbar) und geniessen gekühlte Flaschen Beerlao.
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