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radreisen
in Vorbereitung: 3onTour!
AUSTRALIEN III: mt.isa-darwin

  
Australien
2. November 2003

AUSTRALIEN III: mt.isa-darwin

12688 km, darwin (AUS)

route: mt.isa-camooweal-barkly homestead roadhouse-three ways-(tennant creek)-elliot-mataranka-katherine-pine creek-adelaide river-darwin



am letzten tag vor weiterfahrt, raus aus mt.isa richtung northern territory, lernen wir warren, einen australischen, weitgereisten radler kennen. mit ihm schauen wir uns ein rugby-finale in einem nahegelegene pub an. er erklaert mir die grundregeln des spiels. und es macht wirklich spass zuzuschauen. sieht brutal aus, wenn die ungeschuetzten spieler gegeneinander krachen. und es sieht gut aus, wenn trotzdem elegante spielzuege zu betrachten sind.

rugby ist nationalsport nummer eins in australien. was ist noch typisch fuer dieses land? auf jeden fall fischen. danach sind vor allem viele maenner verrueckt. etliche karren ihr eigenes boot durchs outback, es gibt eigene fischer-zeitungen, viele orte werben mit guten fischgruenden. wir lesen aufkleber wie

'my worst day fishing is better than my best day at work',

oder sinngemaess

'fuettere deinen mann mit fisch, und du saettigst ihn fuer einen tag.

lehre deinem mann das fischen, und du bist ihn jedes wochenende los.'

eng damit verbunden ist das BBQ und outdoorleben, das sehr oft praktiziert wird. allerdings eher in der luxusversion mit stromgenerator, kuehlschrank, licht und jede menge eiskaltem bier!! gefahren werden am liebsten riesige 4-wheel-drive fahrzeuge, unabhaengig davon ob sie nun wirklich off-raod unterwegs sind oder damit nur zum naechsten drive-thru-bottle-shop unterwegs sind. oder aber sie haben riesige luxuskamper, in der groesse von linienbussen. dann fast immer mit anhaenger, mit oben drauf -richtig - einem 4WD-pickup! interessant sind auch die hotels und pubs in den kleinen ortschaften des outbacks. die haben naemlich ihren namen in riesigen buchstaben auf ihr dach gemalt. von der strasse trotzdem nur schwer wahrnehmbar. sie sind auch nicht fuer fussgaenger angebracht, sonder fuer flieger mit ihren kleinen maschinen, die dort auf ein kaltes bier und fish\&chips schnell mal eine zwischenlandung einlegen sollen.

als wir von mt isa schliesslich aufbrechen, kaempfen wir uns am ersten tag gegen den wind. wir passieren das riesige gelaende der minen von mt. isa. eine der groessten der welt. wir lesen auch die oeffentlich ausgehaengte 'safety performance' der mine. sie scheinen stolz darauf zu sein, mich entsetzt es aber eher. 17 schwerverletzte arbeiter im letzten monat. und ueber 400 waren es im vorjahr. wahnsinn!

auch warren begleitet uns einige zeit. dann faehrt er sein tempo - weit vor uns. nachts schlagen bine und ich unser zelt wieder irgendwo im busch auf. diesen abend aber ist es bedrohlich dunkel und gewittrig. als ein regelrechter sturm aufkommt, stellen wir auch das ueberzelt auf. die zeltstangen biegen sich, das zelt wird hin und her geschuettelt. aber es haelt.

dafuer haben wir ab dem naechsten tag bis zum stuart highway besten rueckenwind! in camooweal treffen wir wieder den netten japanischen radler auf dem weg von sydney nach perth. und 20 km nach dem kleinen ort - unvermutet und im nichts - die grenze von queensland ins northern territory (NT). interessanterweise ist northern territory gar kein eigener bundesstaat. obwohl schon eine eigene verwaltung, hat canberra immer noch ein wichtiges wort mitzureden. und was noch bemerkenswert ist: NT ist groesser als ganz deutschland, hat aber nur 190.000 einwohner. rechnet man noch die einwohner der beiden groessten staedte darwin und alice springs ab, so leben auf dieser gewaltigen flaeche gerade mal 70.000 menschen. soweit zur versorgunglage fuer durstige, hitzegeplagte radler.

aber: ein vorteil ist bald klar. es gibt einige rastplaetze - rest areas - die ueber eine sitzbank inkl tisch, schattendach und - ganz wichtig - wasser verfuegen. auch zum kampieren sehr gut geeignet.

tagsueber ist es oft sehr, sehr heiss. in indien habe ich aber gelernt, dass fuer mich trinken sehr wichtig ist. so zwinge ich mich - egal wie heiss das wasser, und wie grauslich der geschmack des 'bore water' ist - mindestens 6 liter waehrend dem radeln zu trinken. an einem tag, wo ich das missachte, werde ich mit kreislaufschwaeche, muskelkraempfen, appetitlosigkeit und starken kopfschmerzen bestraft. aber ansonsten komme ich gut zurecht. bine hat diesbzgl sowieso weniger probleme.

mitten im nichts muessen wir von der strasse. ein begleiteter 'over-size'-LKW kommt uns entgegen. so breit wie die ganze strasse. geladen hat er - ein kurioses bild mitten im trockenen outback - ein schiff! und eine weitere interessante beobachtung des tages: mitten auf der strasse sehen wir einen 'thorny devil', eine mit stacheln und knorpeln ueberzogene echse. ich schaff sie von der strasse, was aber schwierige ist als gedacht.

aufgrund einer wichtigen rest-area wird der 270-km abschnitt ohne nichts zum barkly homestead roadhouse leichter fuer uns. dort gibts dann wieder eiskaltes powerade, cola und passionfruit-sofdrinks. sind wir alleine im busch, so essen wir in der frueh muesli, tagsueber nur ein paar mueslireigel oder brote und abends kochen wir nudel mit irgendwas dazu.

weitere 200 km muessen wir radeln um auf ein gebaeude zu treffen. das 3-ways-roadhouse. an der kreuzung unseres barkly-highways gelegen, der hier in den beruehmten stuart-highway einmuendet, der von adelaide im sueden bis nach darwin ganz im norden den ganzen roten kontinent durchquert. aber der von mir eventuell gefuerchtete 'mehr-verkehr' bleibt aus. auch hier radeln bine und ich lange zeit nebeneinander, ohne auf nur ein einziges fahrzeug zu treffen. davor nuetzen wir allerdings die naehe zu der kleinen stadt tennant creek, in der wir (per lift angereist) wieder einiges an lebensmittel bunkern koennen. beim rueckweg dauert es aber ueber 2 stunden, bis sich ein junger, symphatischer aussie erbarmt, und uns die 25 km zurueck zu unserem roadhouse bringt.

wir schlagen auf einem kleinen, auf einer 'station' (so werden in australien die riesigen farmen genannt) eingerichteten kampingplatz unser zelt auf. oder auf den kleinen campsites von roadhouses wie dunmarrah, hi way inn oder acacia store. oder auf den netten rest-areas, an denen wir des oefters auch bekanntschaft mit anderen reisenden machen, die ebenfalls diese gute und kostenlose art der uebernachtung nuetzen. oder aber wir schlafen ganz alleine im nichts, im busch neben der strasse. mit millionen sternen ueber einem!

die landschaft aendert sich staendig. wir verlassen stetig die trockene steppenlandschaft, und bewegen uns in das feuchte, subtropische gebiet des 'top end' von australien zu. die baeume werden mehr. sie werden gruener. die luft wird feuchter. und leider die naechte immer heisser und schwueler. es ist der beginn der regenzeit. aber nur einmal regnet es. da aber gewaltig. wir muesssen danach einen ruhetag einlegen, um alles wieder trocken und sauber zu kriegen.

ich mache einen abstecher nach newcastle waters. einer geisterstadt, die ueber einige alte, verlassene gebaeude verfuegt. diese bestehen allerdings auch aus blech und holz, und muten gar nicht so cool an, wie ich es erhofft habe. haeuser in trostlosen orten wie elliot oder darrimah sehen aehnlich aus. als ich wieder beim highway auf bine treffe, eine unerfreuliche nachricht. bines sattel ist an einer strebe gebrochen! der sattel haengt nun auf einer seite runter. wir koennen nichts weiter machen. bine muss auf nur einer arschbacke weiter. erst nach 120 km finden wir im hi-ay inn einen netten mechaniker, der uns die strebe in wenigen minuten wieder zusammenschweisst. und - es haelt!

daly waters verfuegt ueber ein sehr beruehmtes pub. alle touristenbusse halten hier. ich finde es aber nicht so aufregend. vor allem stoert mich, dass es einfach nicht mehr 'echt' ist. ein schild, auf dem alle touristen begruesst bzw. verabschiedet werden, und natuerlich hohe preise ist nicht das, was ich gesucht habe. das 'old esley roadhouse inn' in mataranka ist dafuer umso gemuetlicher und uriger. da schmeckt ein stubby midstrength gleich um einiges besser. auch bine goennt sich mal was, und trinkt 2 flaschen 'mudshake chocolate'. dafuer verzichten wir auf die beruehmten heissen quellen des ortes.

an diesem tag, aber auch schon einen frueher, passieren uns entgegenkommend futuristisch anmutende fahrzeuge. nur max. einen meter hoch, duenne reifen und komplett verspiegelt. vorne und hinten von fahrzeugen mit gelblicht begleitet. es sind solarautos. auf der 'solar challenge' von darwin nach adelaide, den ganzen stuart highway entlang. im roadhouse uebernachten einige teams dieses rennens. darunter auch ein deutsches. wir reden ein bisschen mit dem begleitenden kameramann vom privatsender 'proSieben'. die deutschen liegen an 6.stelle. die schnellsten sind hollaender, die im durschnitt so 130 km\/h fahren koennen! die unterschiede zwischen den teams - personell, finanziell und technisch - sind sehr gross. vom bessenen privatmann bis zu grossen, gesponserten teams, ist alles vertreten. der zeitunterschied im ziel, einige 1000 km weiter im sueden, betraegt zwischen erstem und letztem eine ganze woche.

auf dem weg nach katherine muss ich mich ein wenig quaelen. seit tagen plagen mich pickel am hintern, die waehrend dem radeln grosse schmerzen verursachen. egal wie und wo ich sitze, es tut einfach weh. katherine ist mit 10.000 einwohner eine richtige stadt. mit einem supermarkt, den wir in der groesse seit cairns nicht mehr gesehen haben. ein ort, an dem wir uns 2 tage erholen. ab hier sind nur mehr etwas ueber 300 km zu unserem endpunkt der ersten grossen etappe - darwin, der hauptstadt des NT. leider sind hier oben im norden die naechte oft so schwuel, dass wir leider nur sehr schlecht und kurz schlafen. eine richtige erholung ist bei diesen bedingungen nur schwer moeglich. sehnsuechtig denke ich an die naechte mitten im outback, die oft so kuehl waren, dass wir uns beim aufstehen vor sonnenaufgang unsere pullover anzogen.

das hinterland der stadt war kriegsgebiet nummer eins der gegend waehrend dem 2. weltkrieg. es gibt zahlreiche gedenktafeln und einige 'airstrips' gleich neben der strasse. allierte kraefte haben den kontinent damals gegen die inselstaaten im norden und den japanern verteidigt.

nach katherine sehen wir des oefteren die neuen bahngleise der alice springs-darwin strecke. im jaenner 2004 wird der 1000de kilometer lange abschnitt eroeffnet. ein meilenstein im transportwesen australiens. ab dann koennen in 2 tagen gueter und personen von der suedkueste in adelaide bis in den norden nach darwin geschafft werden. eine richtige transkontinental-bahn. bine hat dann noch ein bremsversagen mit einem kuriosen grund: die hinten montierte sirup-flasche leckte, und so ist die ganze pampe ueber die packsaecke und -taschen auf die ritzel und eben auch felge geronnen. zum glueck ist nichts passiert. als wir es uns abends auf einer restarea gemuetlich machen, nehmen wir ploetzlich aschegeruch wahr. ein beklemmendes gefuehl steigt in uns hoch. wir sind auf der ganzen strecke an riesigen ab- oder angebrannten waldflaechen entlanggeradelt. wir blicken in der dunkelheit gen horizont und meinen einen hellen schein zu sehen. im scheinwerferkegel der autos meinen wir nebel wahrzunehmen. und das geschrei der voegel in der nacht scheint uns aussergewoehnlich. es duerfte etwas unsere phantasie durchdrehen. schliesslich und endlich ist gar nichts. dafuer in der frueh. hunderte fliegen machen uns das leben ab der morgendaemmerung zur hoelle. sie sind ueberall, vor allem in den augen, ohren und mund. bine zieht sich das fliegennetz ueber. der einzige vorteil der vielen fliegen: so schnell haben wir noch nie gepackt und gegessen. rekordzeit!

einfahrt nach darwin. wir machen das obligatorische foto bei der ortstafel, und trinken zusammen (ein leider warmes) XXXX-bier, das bine 120 km bis hierher geschleppt hat. willkommen in darwin! wir habens geschafft!

die stadt ist sehr modern. sie wurde im WWII total zerstoert. und nochmals in den 70er jahren aufgrund eines gewaltigen zyklons, der waehrend der regenzeit leicht entstehen kann. natuerlich gibts hier so gut wie alles, was wir nun 2 monate nicht hatten. nette cafes, billigeres internet, riesige 7-tage-24-stunden supermaerkte...fuer uns vor allem ein koerperliches und mentales auftanken.

und ausgangspunkt der besuche zum litchfield national park und beruehmten kakadu national park. so machen wir per rad wieder einen bogen, um auf anderen wegen wieder zurueck nach katherine zu gelangen. ab dort per anderem fahrzeug (truck? bus?) nach 3-ways, um uns den schon mit dem rad bekannten 600-km-abschnitt zu ersparen. von dort gehts weiter ins rote herz von australien. nach alice springs und zum wahrzeichen von australien - nach uluru, wohl besser bekannt als ayers rock, dem beruehmten heiligen und roten felsen der aborigines.
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