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radreisen
in Vorbereitung: 3onTour!
AUSTRALIEN VI: adelaide-melbourne

  
Australien
10. März 2004

AUSTRALIEN VI: adelaide-melbourne

18055 km, melbourne (AUS)

route: adelaide- strathalbyn -menengie-kingston-robe-beachport-millicent-mt. gambier-warrambool-port campbell-apollo bay-lorne-torquay-geelong-melbourne



adelaide ist unsere erste richtig grosse stadt in australien. auch wenn wir schon 6 monate hier reisen. aber mit 1.1 mio. einwohnern ist sie immer noch nur ein drittel von melbourne und nur ein viertel von sydney. das aendert aber nichts daran, dass ich einfach kein staedtetyp bin. und schon gar nicht in down under, wo die siedlungen das unattraktivste des landes ist. der vorteil von adelaide: es gibt 2 kampingplaetze in unmittelbarer city-naehe. und diese distanz ist auf einem gruenband entlang eines kleinen flusses, der torrens river, per radweg zu erreichen. was wunderschoen und angenehm ist. grosse und billige supermaerkte, billiges internet (in suedaustralien hat jede bibliothek freien internetzugang fuer alle, allerdings nur begrenzte zeit) und vielleicht in einem oder anderen cafe sitzen. das ist das was ich nach beendigung einer radetappe mache und geniesse. wir haben zeit, spaet und ausgiebig zu fruehstuecken und wir kochen und grillen abends. und lernen natuerlich wieder einige leute kennen. zB eine junge familie, die hier am kampingplatz leben, um die bevorstehende geburt in einem modernen spittal zu vollziehen. oder ein britisches paerchen, die als vertreter arbeiten, und des oefteren deprimiert abends zurueckkommen, weil es fuer sie ein erniedrigender job ist. aber im grossen und ganzen laeuft es ganz gut, und sie sparen das geld zusammen. oder ein alter mann, der beim gehen und hoeren schon sichtlich schwierigkeiten hat. aber nichtsdestotrotz ist er per fahrrad und zelt unterwegs! wirklich beeindruckend. wenn er einmal am rad sitzt, merkt man ihm sein alter nicht mehr an.

bine und ich kaufen noch ein bisschen radausruestung, allen voran 2 neue maentel und einen neuen sattel fuer bine. aber insgesmat habe ich nach 3-4 tagen schon wieder genug von adelaide. nicht nur weil wir hier mehr geld ausgeben als unterwegs. bei bine ist das anders, ihr macht es anscheinend spass, tagelang nur die rundle mall, die grosse fussgaenger- und shoppingzone rauf und runter zu gehen, zu schauen, cafe su trinken und zu lesen. so ist es immer ein kampf und krampf, wenn wir denn wieder aufbrechen.

nach einigen tagen tun wir es. und verlassen die stadt entlang des motorway 1. aber keine angst, es gibt einen eigenen radweg, und so macht es richtig spass. es gilt vorerst die adelaide hills zu ueberqueren. oben vom 'eagle on the hill' haben bine und ich eine schoene aussicht auf die stadt bis hin zum meer. das wetter ist klar und sonnig. spaetestens dann sind wir beide wieder gut.

der weg fuehrt teilweise am alten highway entlang. 4-spurig, aber leer. der breitere, nicht so steile neue freeway hoeren wir nur unten im tal. das grundstueck der ehemaligen shell-servicestation ist bereits verkauft. sicher ein schnaeppchen mit super lage, aussicht und - eigenem freeway vor der haustuer! spaeter radeln wir einige waldwege als geheimwege, und vermeiden so die befahrenen strassen. ein deutscher chiropraktiker, der hier in einem vorort von adelaide lebt und arbeitet, hilft uns bei der wegsuche. ab da gehts unerwartet viel bergab, und wir erreichen schneller als gedacht strathalbyn. abends am kampingplatz hoert vor allem bine unheimlich geraeusche aus dem bewaldeten und nur durch einen zaun abgetrennten nachbargrundstueck. meine geschichte vom bestialischen monster auf der suche nach menschenfleisch will sie nicht hoeren. schliesslich stehn ja wieder ein paar naechtliche pinkelgaenge an...

das erste ziel ist der corrong nationalpark. ein tolles, 150 km langes oeko-system an der kueste des suedlichen ozeans. bestehend aus salzseen, einer lagune, duenen und dem meer. vor urzeiten hat ein gletscher an der jetzigen kueste ein tal gebildet. auf der ozean-seite war der hohe talrand ausgangspunkt fuer das stete aufschuetten von sand durch den ozean. die duenen sind entstanden. das wasser dahinter wurde vom meer immer mehr isoliert und hat nun fast keine verbindung zum meer. wird nur mehr durch den murray river gespeist. der hohen salzgehalt ist demnach nun minimiert. dieses gebiet ist nun lebensraum fuer hunderte von pflanzen- und tierarten. eine der groessten ansammlung von vogelarten.

wir kampieren 2x im nationalpark, was sehr, sehr gefaellt. natur pur. allerdings wind und sturm ohne ende. wir sehen sehr oft die grossen pelikane (mit ausnahme an der 'pelican observatory station' an der es trotz aufgestelltem fernglas nicht viel zu sehen gibt). am 42 mile crossing gehen per pedes eine halbe stunde durch die duenen. und gelangen dann erstmals direkt zum meer. zum wilden, sturmgepeitschten suedlichen ozean. weit, weit hinter dem horizont liegt die antarktis. dazwischen nichts als kalte wassermassen.

interessant sind die preise der permits fuer die wildkampingplaetze, die das uebernachten an bestimmten orten erlauben:

car or boat: 5 ASD per night

motorbike: 5 ASD per night

no vehicle: 3 ASP per person and night



wir zahlen also mehr als unsere motorisierten reisekollegen! es sind auch ueberall bootsrampen angebracht. und 4WD-strecken durch duenen und am strand beschildert. es soll zwar geschuetzter nationalpark sein, aber grundrechte wie boots- oder offroadfahren kann man einem australier anscheinend nicht nehmen. ein automobilignorantenstaat sondergleichen!

durch zufall trifft bine in menengie auf harry und dorothea. ehemals deutsche, die seit 45 jahren in australien leben. und die die 3 reisenden wenzels vor etlichen jahren kennengelernt haben. wir verbringen einen nachmittag mit ihnen.

die strassen sind leider oft sehr schmal. und kein randstreifen. vor den vielen rasenden LKWs und unfaehigen caravan- und autofahrern koennen bine und ich uns nur durch einen sprung in den schotter retten. das wetter ist fast immer sonnig, aber sehr kalt. fuer den jetzt herrschenden hochsommer unerwartet kalt. da es bine mit dem magen nicht so gut geht, nimmt sie einen lift nach kingston. von 2 freundlichen australiern, die wir spaeter nochmals treffen und die uns zum morgendlichen kaffee- und plauderstuendchen einladen. sehr nette aussies, die in 3 jahren ihr heimatland unrunden wollen.

wir verlassen 'the corrong', und geniessen die haefenorte wie robe, wo wir einen schoenen platz direkt beim meer ergattern koennen, beachport, ein sehr ruhiger und netter hafenort und kingston. dort treffen wir auf 2 schweizer radler stephan und daniel, die 3 monate in australien unterwegs sind. high-tech komponenten, leichtgewicht und geschwindigkeit stehen bei ihnen an erster stelle. als sie uns tagsueber ueberholen, haben sie nicht einmal zeit, ein wenig zu plaudern. 'wir sehn uns dann in robe', ist das einzige was sie im vorbeirasen von sich geben.

die fahrt in die grosse stadt mt. gambier ist furchtbar. ein nationalhighway, aber schmal wie eine kleine landschaft. voll von rasenden holz-trucks und idioten. ich bin heilfroh, als wir endlich abends ankommen. wir nehmen einen kampiongplatz oben bei den kraterseen. den mt. gambier war einmal ein vulkan mit mehreren kratern. in 3 davon ist jetzt wasser. wobei der blue crater lake wirklich bezaubernd ist.

nur 30 km oestlich von mt. gambier passieren wir die dritte landesgrenze, und betreten den vierten bundestaat von australien. und den letzten. victoria. zwischen dem noerdlichen 'lower glenelg national park' und dem suedlichen 'discovery bay coastal park' verlaeuft unsere weitere route richtung osten. port fairy ist ebenfall ein netter fischerort. allerdings sehr touristisch und teuer. wir haben erstmals nieselwetter, nebel und starken sturm.

nach warrnambool biegen wir rechts ab. auf die B100. besser bekannt als great ocean road. eine fuer mich einzigartige steilkueste. dabei sind die beruehmten 12 aposteln gar nicht das beste daran. die unbekannteren und leeren plaetze wie 'childish cove' oder die kueste vor peterborough begeistern mich. es ist wieder herrliches wetter. untergehende sonne. und der starke wind laesst den ozean gegen die felsen krachen. beeindruckend! natuerlch sind auch die naturgemachten felsskulpturen von zB 'loch ard gorge' oder eben der '12 apostels' ebenfalls wunderschoen.

danach verlaesst die B100 etwas die kueste, und 18 km gehts nur bergauf. rauf auf den lavers hill. dort treffen wir auf kerstin und stephan aus deutschland. 3 monate hier unterwegs, nachdem sie in adelaide noch schnell geheiratet haben. ihre 'flitterwochen' verbringen sie reisender weise auf einem tandem. treffen sie spaeter nochmals und radlen und kampen mit ihnen zusammen. die auffahrt auf den lavers hill bietet super ausblicke auf den weit unten liegenden ozean. davor schafweiden, huegeliges waldgebiet. und blauer himmel. einige cottages sind fuer 'reichere' reisende als wir sind ein echter geheimtipp hier.

am naechsten tag sind wir relativ schnell wieder unten. etwas zeit 'kostet' lediglich ein platter bei bines rad und eine weitere steigung. unten angelangt halten wir 2. fruehstueck und beobachten einige wellenreiter bei ihrem hobby.

nach einem steilen 2. aufstieg sind die otway-ranges ueberquert. wir spazieren durch den regenwald, in dem gigantische baumriesen stehen. und rollen dann hinunter nach apollo bay. ein touristenort entlang der great ocean road. teuer, haesslich. interessant dass an solchen plaetzen die meisten touristen verweilen. das einzig besondere: hier startet der beruhemte abschnitt der B100. die naechsten 70 km verlaeuft die strasse direkt an der kueste. immer etwas rauf und runter. links steile, gruene berhange. rechts felskueste und das tuerkisblaue meer. allerdings habe ich waehrend dem radlen immer ein auge auf meinen unschaetzbaren rueckspiegel. denn die strasse ist kurvig und teilweise eng. stimmbaender, mittelfinger und nerven werden aber hier weniger beansprucht als anderswo.

nachdem wir auch lorne, ein haessliches touristenloch, hinter uns gebracht haben, dauerts nicht mehr allzu lang. der letzte radltag in australien findet ein unruehnliches ende, als bine auf den zug von geelong nach melbourne besteht. nichtsdestotrotz quaelen wir uns dann noch fast 50 (!) km durch die riesige 3.5. mio EW-stadt melbourne um einen kampingplatz mit zelten-moeglichkeit zu finden.

es ist vollbracht. 9.000 km durch australien. teilweise hart, meist aber angenehm. und beeindruckend. allerdings bin ich nun auch froh, das doch sehr puritanische, spiessige, ungemuetliche und nach dem american-way-of-life strebende australien zu verlassen. der dritte und letzte teil der tourBine beginnt...
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