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radreisen
in Vorbereitung: 3onTour!
die fuenf stufen der heimkehr

  
Österreich
28. Mai 2004

die fuenf stufen der heimkehr

19645 km, vienna (A)

'seltsam, wie sang- und klanglos eine abenteuerliche zweijaehrige reise zuende geht.'

oh, mei freind, kumm wieda ham
i waaß da weg is brat
und daham is a recht fad
oba kortndippln ohne di - an des gwehn i mi nie(*)


+++-stufe eins-

ende jaenner 2004. südliches australien. monatelang schon durchs trockene, einsame, wunderschoene outback. bine und ich werden wohl noch ein paar tausend kilometer radeln. aber wir beide wissen, unsere reise neigt sich langsam aber sicher ihrem ende zu.

seit ewigkeiten im flachland gehts nun einen kleinen bergpass hinauf. und wir betreten danach eine neue welt. nach 7400 radkilometern in down under ist der horrocks pass suedlich von port augusta ein markstein. der kontinent ist durchquert. der suedliche ozean erreicht. das outback liegt hinter,das fruchtbare, besiedelte land vor uns. nach wuesten, regenwald, einsamkeit, hitzeschlachten und exotik bewegen wir uns nun durch abgeerntete felder. radeln entlang gruener alleen. vorbei an altenglischen haeusern. heimatgefuehle erwachen ungesteuert. alle paar kilometer eine einkaufsmoeglichkeit. gemaessigtes klima. normales radeln. die umgebung sieht vertraut aus. es scheint so, als wuerde europa ihre hand nach mir ausstrecken. um mich auf das unausweichliche vorzubereiten. auf die heimat.

jetz sitz i alaan im quell
trink a bier nochn ondern
und haam muaß i alaanich wondern
a kriagl ohne di - an des gwehn i mi nie(*)


+++-stufe zwei-


anfang maerz 2004. boing 777 von lauda air. melbourne. jakarta. wien. bukarest. 21 stunden . -2 grad. es ist vollbracht. der grosse, schnelle sprung zurück nach europa ist geschafft.

zugegebenermassen. trotz der 'hin'reise ueber osteuropa, mittleren osten und den indischen subkontinent ist die rueckkehr nach europa ein schock. viele strassen in rumaeniens hauptstadt schlaglochuebersaet. ueberall muell. verkehrschaos. streunende hunde. rueckspiegel wieder links. kahle vegetation. alles im spaetwinterlichen grau in grau. rumaenien - der wilde westen im osten europas.

doch nach ein paar tagen eingewoehnung bin ich zu hause. die staedte, architektur, siedlungen und lokale. ueberall gibt es historie und kultur im ueberfluss. rumaenien wirkt fuer einen 'normalen' oesterreicher sicher sehr fremd und abgefakkt. ich aber sehe nun alle gemeinsamkeiten. alles bekannte und einzigartige. alles, was es nur auf diesem kontinent geben kann. ja, das ist mein europa.

des billiard is jetz a recht fad
gegn di hob i do imma gwunnan
und die seidln san nur so obegrunnan
a looserpartie ohne di - an des gwehn i mi nie(*)

+++-stufe drei-

april 2004. fussgaenger- und radfahrergrenzuebergang andau im burgenland. nur wenige kilometer suedlich haben bine und ich vor ueber 20 monaten oesterreich verlassen. habe ich mich endgueltig von meinem bruder verabschieden muessen. nun sind wir wieder am neusiedlersee. aber es weiss keiner. es soll fuer alle eine uebrraschung werden.

so rufe ich abends vom kampingplatz breitenbrunn markus an. welch ein zufall, er war heute schon radelnderweise hier unterwegs gewesen. obwohl es schon spaet und sein hunger gross ist, zoegert er keinen moment und faehrt zusammen mit seiner marianne wieder ins burgenland.

auch christoph erreiche ich. es dauert eine minute bis er realisiert. ich draenge ihn, unbedingt einen schlafsack mitzunehmen, denn die temperaturen sind noch winterlich. 'des is ma wurscht, i komm!'.

stephan, der autor der hier zitierten liedzeilen, will ich erst am baldigen pokerabend aus der fassung bringen.

zu fuenft verbringen wir so einen wunderschoenen abend. markus und marianne reissen um 3 uhr frueh ab. aus mangel an moeglichkeiten ziehen wir uns am kampingplatz in christophs 'puta' (in seinen geilen fiat punto) zurueck. bine schlaeft auf meinem schoss ein. und die zwei brueder plaudern und saufen bis zum sonnenaufgang. ich bin wieder zuhause.

und weiba brotn im lokeul
zu zweit hammas eiblosn
nie a glick ghabt bei de hosn
frustration ohne di - an des gwehn i mi nie(*)

+++-stufe vier-

ostersonntag 2004. ein paar grad ueber null. beissender gegenwind. wien empfaengt uns nicht gerade freundlich. markus kommt uns entgegen. wir machen die obligatorischen fotos von der stadteinfahrt. radeln zusammen die simmeringer hauptstrasse entlang. nichts hat sich geaendert. hofeinfahrt. den parkplatz entlang. fussweg nach rechts. hauseingang. ende.

ich stelle das rad an der hauswand ab. und umarme bine. scheisse, die tour ist zu ende. kein radeln mehr. kein suchen von zeltplaetzen mehr. kein kochen im zelt mehr. keine routenplanen mehr. kein nomadenleben mehr. scheisse, die tour ist zu ende.

abends ein treffen mit meinen eltern in einem heurigen. natuerlich wissen sie nichts. meine mutter braucht nur zirka 5 sekunden, ehe ihr gefrorenes erstaunen in freudiges laecheln uebergeht. mein vater ist so sehr mit seinem 'backhendl' beschaeftigt, dass es eines fingerzeigs von christoph bedarf, ehe er bine und mich wahrnimmt.

die freude ist gross.

oh, mei freind, kumm wieda ham
i waaß da weg is brat
und daham is a recht fad
oba kortndippln ohne di - an des gwehn i mi nie(*
)

+++-stufe fuenf-

viele tage nach der ankunft. auf der suche nach einem passenden zitat fuer ein letztes writing krame ich meine gesammelten radbuecher aus einem umzugskarton. mein zimmer ist kahl. meine sachen liegen verstreut herum. chaos total. keine spur von einrichten. doch zu finden ist in all den buechern nichts, das auch nur annaehernd meine gefuehle verdeutlicht. mich erwarteten weder tausende menschen und presse. noch bin ich uebergluecklich zuhause zu sein. ich habe nichts fuer mich einmaliges gemacht. und abgeschlossen. und meine reise- und abenteuerlust ist nicht gestillt, sondern gerstaerkt.

ich find doch noch ein zitat. von raphalea wiegers. 'seltsam, wie sang- und klanglos eine abenteuerliche zweijaehrige reise zuende geht.'

wie wahr.

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(*) 'mei freind (an des gwehn i mie nie)' von stephan guby. geschrieben aus hoffnung einer baldigen heimkehr von uli nullnegativ.

 

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