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radreisen
in Vorbereitung: 3onTour!
JORDANIEN II: amman - aquaba

  
Jordanien
18. Januar 2003

JORDANIEN II: amman - aquaba

5220 km, kairo (AEGYPTEN)

als bine und ich amman nach laengere radlerpause endguetlig per rad verlassen, scheint die sonne und der himmmel strahlt blau. auf diesen ersten kilometern fuehle ich mich das erste mal auf dieser tour richtig frei. ich hatte das erste mal ein bisschen das gefuehl ein fernradler zu sein. einer, der alle orte und grenzen hinter sich laesst und immer weiter zieht. sich durch nichts und niemand aufhalten laesst. moegen kaelte, hitze oder gegenwind kommen - ich bin bereit.

da wir ja nun schon einiges von jordanien gesehen hatten und weil wir uns ehrlichgesagt am kings highway nicht von steinen bewerfen lassen wollten, nahmen wir den sogenannten 'desert highway'. eine route, die durch eine wuestenlandschaft fuehrt und nach rund 400 km aquaba erreicht. da die umgebung, das auessere, leer war, richtete ich die aufmerksamkeit auf mein inneres. und viele gedanken gingen mir durch den kopf.

unterschied zwischen auto- und fahrradreise. riesige unterschiede. auf dem tagestrip mit dem auto zum see genezareth legten wir ueber 300 km und hunderte hoehenmeter (darunter die tolle abfahrt ins jordantal hinunter) zurueck. mit dem fahrrad haetten wir so 5 tage dafuer gebraucht. ausser von ein paar erinnerungen weiss ich aber nicht mehr viel von dem ausflug. zu schnell und zu bequem ist alles gegangen. mit dem fahrrad ist das ziel viel weniger wichtig als 'alles' dazwischen: hunderte begegnungen, erlebnisse, natureindruecke, die man hautnah am eigenen koerper spuert, die man teilweise erleiden muss, fliessen beim erreichen eines zieles zusammen. und das ziel hat einen ganz anderen stellenwert bekommen. schon kleinigkeiten sind toll, es muss dann nicht gleich ein weltwunder herhalten. 100 kilometer fahrradfahren praegen mich, geben mir etwas, was ich bei keiner anderen reiseform gefunden. 1000 km autofahren ist nichts.

weitere gedanke: die zeit. was ist kurz und was ist lang. wir haben rund 4 monate 'gebraucht' um nach jordanien zu gelangen. wir treffen auf dem desert highway einen slowenen auf dem motorrad (auf dem weg nach kapstadt), der dafuer nur 7 tage (!) benoetigte. einfach unvorstellbar. mit einem flieger geht das ganze in ein paar stunden. und zu fuss nimmt man sich wohl so 2 jahre dafuer zeit.

weiters beschaeftigte mich eine frage, die ich mir spaeter immer wieder stellte: woher weiss der wind unsere fahrtroute? also die grundfrage eines jeden radlers: warum kommt der wind immer von vorne? natuerlich nicht zu beantworten. sicher ist nur, das er es weiss, um dann erbarmungslos tagelang einem die ebene asfaltroute zur hoelle zu machen. und die gedanken truebe.

bine und ich finden einen guten rhythmus. 6 uhr aufstehen, fruehstuecken, packen und den ganzen tag radeln. mit mehreren kleinen pausen. bei sonnnuntergang suchen wir ein geschutztes plaetzchen fuer unser zelt. kochen was und legen uns dann so um 9 uhr abend schlafen. ein schoener globetreter-tag.

vor aquaba gehts noch auf einen pass hinauf, um danach in einer sturzabfahrt nach aquaba zu rasen. eine stadt am roten meer, die deutlich waermer ist als alle anderen in jordanien. mit palmengesaumten strassen und straenden. wir kampieren in einem geschlossenen kamp, das uns ein freundlicher, wohl weit herumgekommener lebenskuenstler empfiehlt.

am naechsten tag legen wir wohl einen einzigartigen und wohl nicht wiederholbaren rekord hin. geplant war, uns ein visum fuer aegypten zu besorgen um dann am naechsten tag mit der faehre nach nuweiba\/aegypten ueberzusetzen. um 10 uhr waren wir im aegyptischen konsulat. als wir nach nur 15 minuten die visa in unseren haenden hielten, suchten wir gleich das buero der faehrgesellschaft auf. schnell war das ticket und (nebenan) alle notwendigen lebensmittel gekauft. wir rasten zum 10 km entfernten hafen. alles war dort sehr unuebersichtlich und verwirrend, was wir nun in welcher reihenfolge zu tun hatten. das einzige, was wir schnell erkannten war, dass unsere faehre abfahrbereit war. davor mussten wir aber noch alle ausreiseformalitaeten und die hafenegbuehr zahlen. nur wo und wie? 10 dinar hafengebuehr fuer 2 personen, aber keinen einzigen dinar mehr in der tasche. als hinauf und nocheinmal tauschen. dann hinunter hafengebuehr zahlen. wieder hinauf und ausreiseformular ausfuellen. da stand zwar deutlich 'entry' drauf, aber es interessierte sowieso niemanden. dann ausreisestempel abholen und hinunter zu den raedern. 'the ferry is waiting for you. follow me', rief uns ein freundlicher hafenmitarbeiter zu. und wie der blitz rasen wir hinter seinem bus ueber das leere hafengelaende. als wir durch ein tor radeln, springt ein offizieller auf und schreit uns hinterher. wahrscheinlich papierkontrolle. doch dafuer haben wir nun keine zeit. hoffentlich bleibt bine nicht stehen, denke ich mir. wir fahren vor zum schiff. oben auf 3 stockwerken des hecks stehen hunderte leute und schauen auf uns herab. wie peinlich. aber warten sind die jordanier und aegypter sicher gewoehnt. nach einem check unsere papiere rollen wir voellig gestresst und ausser atem die raeder in den schiffsbauch hinein. konsulat suchen, visa beantragen, buero suchen und faehrticket kaufen, lebensmittel einkaufen, 10 km zum hafen radeln, geld wechseln, hafengebuehr bezahlen, ausreisen, und ins schiff hinein in nur 3 stunden. weltrekord!

oben am deck zische ich erleichtert und froh ein 'heineken'. aegypten - wir kommen.
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