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in Vorbereitung: 3onTour!
minga mob

  
Australien
17. Januar 2004

minga mob

fiktion im stephansdom und realitaet am uluru

15640 km, coober pedy (AUS)

was passiert, wenn man an die vernunft jedes einzelnen appelliert. verstaendnis und toleranz erhofft, aber ignoranz und respektlosigkeit erntet. und warum das altbewaehrte verbot noch immer dem fortschrittlichen bitten vorzuziehen ist.

der stephansdom in wien-oesterreich. heiliges gotteshaus, einzigartig historisches gebaeude, wahrzeichen und touristenattraktion nummer eins der stadt.

vor den eingaengen des domes sind tafeln aufgestellt. in acht sprachen steht dort geschrieben:

'willkommen im stephansdom! bitte beachten sie, dass diese staette fuer uns christen eine besondere, eine heilige ist. glaeubige kommen hierher, um zu beten und ruhe zu finden.

bitte nehmen sie davon abstand, im inneren der kirche speisen oder getraenke zu sich zu nehmen. nuetzen sie die staette nicht als gesellschaftlichen treffpunkt und verhalten sie sich bitte ruhig.

wir hoffen, sie respektieren unsere wuensche und anligen. danke fuer ihren besuch in unserem dom!'

betritt man das innere von st. stephan, das gewohnte bild. scharenweise sitzen junge leute in den baenken und unterhalten sich lautstark. manche gruppen spielen karten und trinken bier. in grosser zahl haben es sich familien auf ihren mitgebrachten decken gemuetlich gemacht und halten picknick. manche haben ein radio aufgestellt, und hoeren leise musik. an den waenden sitzen paare oder einzelne auf dem boden. rauchen und geniessen das innere. es herrscht hoher laermpegel und betriebsamkeit.

eine einheimische glaeubige wird zu dieser situation befragt. ihre stellungnahme: 'ich komme nur mehr ganz in der frueh hierher. die touristen sind einfach furchtbar. sie begeistern sich fuer die architektur und malereien, aber sie verstehen nicht. und sie wissen nicht, wie beleidigend ihr verhalten ist. es macht mich wirklich wuetend. und traurig.'

ein amerikanischer tourist wird nach dem besuch befragt. seine stellungnahme: 'it was really amazing. the john-smith-cathedral (1) is one of the greatest churches i ever saw. very old. and it is that huge and big. great! outside it is very hot, but inside it is surprisingly cool. when i was sitting there on the cold floor made of stones and just drinking a cold beer, i realized that there is really some special spirit around here. it was amazing!'

und ein japanischer tourist: 'i visited whole europe in three weeks and i saw many churches. but the john-smith-cathedral (1) is major work. it is the sound of churches which i like. i switched on my MP3-player and listened to a mozart concert. the sound was that fascinating, that i turned the volume louder and louder. i heard also some music from japan, but i think european classical music fits much more better to a church. i admire this building.'





uluru. weltbekannt unter dem namen ayers rock (2). mitten im roten herzen australiens gelegen. ein heiliger berg der anangu, der aborigines rund um uluru. der groesste monolith der erde. der wohl meistfotografierte felsen der welt. 'wahrzeichen' australiens und magnet fuer millionen touristen aus aller welt jaehrlich.

auf der eintrittskarte zum 'uluru-kata tjuta nationalpark' steht geschrieben: 'it is requested that you respect the wishes of anangu by not climbing uluru.'

in der zu jedem ticket beigelegten nationalpark-broschuere gibt es ein eigenes kapitel ueber das besteigen des beruehmten felsen: 'while you are visiting our land we ask you to respect us as our hosts along with our culture - just as you would if you were visiting someones home or a church. please respect the cultural significance of uluru and kata tjuta by not climbing them.

that is a really important sacred thing you are climbing. you should not climb.

what visitors call 'the climb' is the traditional route taken by ancestral mala men upon their arrival at uluru. the 'climb' is not prohibited. but we prefer that, as a guest on anangu land, you will choose to respect our law and culture by not climbing.'

aehnliches steht auf einer tafel, direkt am beginn des aufstiegs auf den uluru.



besucht man uluru, so erlebt man das gewohnte bild. schon von weitem sichtbar, eine lange schlange von menschen am ruecken von uluru. t-shirts mit 'i climbed the ayers rock' (2) gibts ueberall zu kaufen. an den vielen tagen im jahr, an denen der aufstieg aus anderen gruenden gesperrt ist (zu viel hitze, wind oder schlechte sicht), sind viele touristen enttaeuscht oder sogar aergerlich.

ein aborigine wird nach dieser situation befragt. seine stellungnahme: 'if you worry about aboriginal law, then leave it, do not climb it. you should think about tjukurpa and stay on the ground. we call the people climbing uluru 'minga mob'. 'minga' means 'ant'. if you look at them from the ground, you know why. when people get hurt or die on uluru, it means a bad karma for us. and we are really sorry too.'

ein deutscher tourist sagt nach der ulurubesteigung: 'es war schon immer mein lebenstraum oben am ayers rock (2) zu stehen. ein erhebendes gefuehl. noch dazu bei diesem wetter und der aussicht. ich bin uebergluecklich!'

eine oesterreichische touristin: 'es war ganz schoen anstrengend. sehr steil und heiss. aber ich war gut vorbereitet und habe meine sandalen im bus gelassen. die leute, die hier verunglueckt sind, sind irgendwie selber schuld. aber ich bin stolz und zufrieden oben gewesen zu sein. sicher das highlight des heurigen urlaubs. heute abend kriegen wir beim sonnenuntergang vor dem ayers rock (2) ein glas sekt serviert. auf das freue ich mich auch schon.'

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(1): im ausland ist der dom zu st. stephan unter dem namen 'john-smith-cathedral' bekannt. benannt nach dem kalifornischen saenger john smith, der als erster amerikaner den dom betrat.

(2): william christie gosse, der 1873 als erster weisser am fusse des uluru stand, gab dem felsen den namen 'ayers rock'. zu ehren des damaligen premier von southern australia 'sir henry ayers'.

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