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NEPAL II: kathmandu - langtang trekking - pokhara per bus - kathmandu

  
Nepal
6. August 2003

NEPAL II: kathmandu - langtang trekking - pokhara per bus - kathmandu

8910 km, kathmandu (NEPAL)

das wiedersehen nach fast einem jahr mit stephan ist ein sehr freudiges. es macht einfach spass, stundenlang zu plaudern. und nicht umstaendlich per mail kommunizieren zu muessen. nepal ist sicher ein harter einstieg fuer einen, der 'nur' europa und USA kennt. interessant ist, wieviele sachen ihm auffallen, die bine und ich ueberhaupt nicht mehr wahrnehmen. sei es das chaos auf den strassen, der zustand der fahrzeuge, der haeuser, der stromleitungen...

stephan hat sich auch sehr auf diese reise vorbereitet. abgesehen davon, dass er andauernd seinen reisefuehrer zitiert ('in meinem reisefuehrer steht aber, dass die linke hand unrein ist und ich daher nirgends damit hinzeigen darf' oder 'genau ulrich, das steht auch im fuehrer...'), ist er ausruestungsmaessig am letzten stand. trekkingschuhe, trekkinghose, goretexjacke und vor allem fuer die fotos wichig - gletscherbrille! und mit seinem micropur wasserdesinfektionsmittel will stephan gleich das wasser im spuelkasten seines hotelzimmers behandeln.

abends gehen wir zu dritt die ankunft feiern, wie es ganz typisch ist fuer nepal - genau, mit holzofenpizza und carlsberg-bier! am ersten tag gehen wir zusammen durch kathmandu, das meiste kenne ich schon von frueher. fuer bine, aber vor allem fuer stephan ist alles neu. mit seiner digitalkamera fotografiert er wie wild drauf los. mit dem chaos in den engen gassen kommt er anfangs noch nicht ganz klar. interessanterweise werden wir in der gegenwart von stephan viel penetranter und oefter von souvenirhaendlern angesprochen. 'ich muß mich in Acht nehmen vor den vielen, vielen Autos, Motorrädern, Fahrrädern, Rikschas, die sich ihren Weg durch das Dickicht bahnen ohne Rücksicht auf leicht verwirrte Österreicher nehmen zu können' schreibt stephan in seinem reisebericht...

das grosse ziel ist, zusammmen ins langtang-gebiet zu fahren, um zu wandern. da sein aufenthalt auf 12 tage begrenzt ist, machen wir gleich am ersten tag alle vorbereitungen. informieren uns, kaufen bustickets und stephan legt sich noch eine regenhose zu - mit dem grenzgenialen materialbezeichnung 'sherpa tex'. der einstieg ins wirkliche nepal kann nicht krasser sein. per oeffentlichen bus begeben wir uns nach syabru besi. neben zahlreichen nepalis und 3 touristen gehen aber auch saeckeweise kartoffeln und anderes gemuese, ziegen und raeder mit. fuer die 130 km benoetigen wir 12 stunden. anfangs noch auf asfalt, dann schotter. unterbrochen von ein- und aussteigenden menschen und den zahlreichen security-checkpoints. das alles laueft im kompletten chaos ab. alles insassen muessen so jede stunde ueber die zahlreichen oelkanister und kartoffelsaecke im businneren nach draussen stolpern, um nach kurzer zeit sich wieder zurueck zu ihren sitz- steh und sonstigen plaetzen zu begeben.

mitten in den bergen ist die strasse blockiert. auf einer strecke von rund 2 km ist die strasse aufgrund der vielen regenfaelle an einigen stellen verschuettet bzw. abgerutscht. alle fahrgaeste muessen abladen. ziegen werden an ihren hoernern vom busdach gehievt. kinder agieren als traeger fuer die schweren kanister und saecke. da es bine sehr schlecht geht, wird der marsch fuer sie zur qual. damit der anschlussbus auf der anderen seite der blockade auf uns wartet, geht stephan vor. ich nehme bine ihren rucksack ab. trotzdem ist sie total am ende, und mueht sich nur ganz langsam vorwaerts. endlich beim bus angelangt, verhelfen wir der armen bine zu einem sitzplatz im businneren. stephan musste sich direkt vor den bus stellen, um eine verfruehte abfahrt zu verhindern. wir finden noch am schon gut besuchten busdach einen platz, bevor der vollbeladene bus langsam die schotterpiste hinunterwackelt. 1 stunde vor dem zielort schlaengelt sich die strasse in zahlreichen serpentinen den sausteilen berghang hinunter. an einer stelle kippt der bus bedrohlich nach aussen. selbst die nepalesen zeigen reaktion. das war knapp.

nach einer 12-stunden odyssee erreichen mit den nerven fertig und erschoepft bei stroemenden regen syabru besi. ab nun gehts zum glueck zu fuss weiter. das potala hotel ist einfach aber gemuetlich, unten in der stube das essen gut. da wir wegen bine am naechsten tag einen ruhetag einlegen, relaxen wir vor allem und lernen von campbell aus den USA zwei neue kartenspiele: 'asshole' und 'shithead', was grossen spass macht. dann gehts los. steil bergauf fuehrt der pfad hinauf. durch dichten, feuchten wald. die zahlreichen blutegel machen uns etwas zu schaffen, die es waehrend der regenzeit in grosser zahl gibt. oft kontrollieren wir unsere kleidung und koerper nach den blutgeilen viechern. vor allem bine duerfte ueber eine vorzuegliche blutqualitaet verfuegen. sie kriegt das meiste ab. ausserdem ist sie wegen ihrer durchfallkrankheit besonders am nachmittag schon total fertig. und muss sich den steilen, glitschigen pfad hinaufquaelen.

am ersten tag machen wir 1000 hoehenmeter und am zweiten nochmals. im ort langtang ist die landschaft schon ganz anders. den blutegelverseuchten wald haben wir hinter uns gelassen und wandern nun - schon auf 3500 meter - durch eine schoene almenlandschaft. meist bleiben die hohen berge in wolken, aber dafuer regnet es tagsueber kaum. waehrend der monsunzeit muss man damit schon zufrieden sein. ich mache einige aufnahmen von stephan mit seiner kamera. 'stephan blickt mit fernglas in die weite', 'stephan geht ueber eine haengebruecke', 'stephan mit gore-tex jacke vor wasserfall', 'stephan mit gletscherbrille vor bergkulisse', 'stephan auf felsen als extremkletterer'.

am dritten tag gehts nicht mehr allzu weit hinauf nach kinjin gompa, einem tibetischen ort auf 3800 meter. ein fest laeuft gerade, und viele tibeter sind herauf gekommen um zu feiern. stephan und ich gehen am nachmittag hinauf zum langtanggletscher. wir sehen eine lawine die eisige suedwand des 7200er langtang lirung herunterdonnern. und hoeren zahlreich steinschlaege. sehen yaks. und - nach einigem weg und weiteren 400 hoehenmeter auch den gletscher. leider ist die wand des langtang lirung im nebel verhuellt. wie gerne haette die unmittelbar aufsteigende wand gesehen. zurueck im ort lassen wir den abend wieder mit shithead ausklingen. der abstieg dauert nur 2 tage, und besonders im feuchten regenwald ist es nicht immer leicht, den steilen pfad hinunterzukommen. vor der busfahrt haben wir zwar einen horror, aber es geht alles gut. und in nicht einmal 10 stunden waren wir wieder zurueck in kathmandu. (bezueglich dem langtang abenteuer siehe auch stephans bericht: Langtang Experience 2003 )

die restliche zeit von stephans besuch vergeht sehr schnell. nachdem er sich mit souvenirs um den 5-fachen preis eingedeckt hat, ist es zeit abschied zu nehmen. ich schenke ihm am abend noch ein t-shirt mit dem aufdruck 'langtang experience 2003 - lirung glacier 4200 m'. wir haben sehr viel erlebt. und ich merke dass ihm die reise gut getan hat. und dass er ganz begeister ist. stephan, alter shithead-profi und sicherheitshalber-am-abend-einen-schluck-whiskey-fuer-den-magen-trinker, bis zum naechsten mal!

gleich am naechsten tag fahren wir abermals zum flughafen. bines eltern brigitte und alfred kommen aus deutschland auf besuch. sie sind die letzten, die aus dem flughafen-gebaeude kommen. und bine hat schon angst sie haben irgendeinen ihrer fluege verpasst. zum zweiten mal auf unserer grossen reise koennen sich die 3 wenzels in den arm nehmen. das haben sie sich alle drei verdient. wir verbringen auf eine sehr angenehme und gemuetlich art die gemeinsamen tage. machen ausfluege in thamel, am durbar square, in der freak street. geniessen die aussicht von dachrestaurants. besuchen den 'monkey-tempel'. fahren in die renovierte altstadt von bakthapur. und abends reden wir lange bei gutem essen und kuehlem bier.

wir entschliessen uns, mit dem bus nach pokhara zu fahren. einerseits weil auch brigitte und alfred die schoene landschaft und die annapurnas geniessen wollen. und andererseit reizt mich auch der plan, ein paar tage im annapurna-gebiet zu wandern. doch die busfahrt hat folgen. dass die nepalis allesamt fahren wie die schweine bin ich ja mehr oder weniger seit der tuerkei gewoehnt. dass es dann aber wirklich einmal kracht ist einfach wahnsinn. und dass man sogar mitten drin ist vorher nicht vorstellbar. unser 'swiss travel'-touristen-bus ist zu schnell auf der kurvigen strasse unterwegs. und der entgegenkommende truck (ein tankwagen!) befindet sich mitten auf der fahrbahn. und nicht am rand. keine ahnung warum. vom gefuehl her bremst unser bus ueberhaupt nicht. spaeter war dann aber eine 30 meter lange bremsspur am heisse, weichen asfalt zu sehen. das ganze geht sehr schnell. wir sind wegen einer kurve ebenfalls eher fahrbahnmitte unterwegs. der orangene TATA-LKW reisst noch auf die seite. aber alles natuerlich viel zu spaet. ich denke 'das wird knapp' - wie so oft. diesmal aber kracht unser bus frontal gegen die rechte seite des lastwagens. den busfahrer und die 2 nepalis, die vorne sitzen, werden durch die berstende frontscheibe geschleudert. nicht angegurtet natuerlich, was aber sicher ein vorteil fuer sie war, denn die fahrerseit ist komplett kaputt. das armaturenbrett herausgerissen und 90 grad gedreht, die vorderachse verbogen, motor totalschaden...

die fahrgaeste werden beim aufprall mit dem gesicht gegen den vordersitz geknallt. eine frau hat eine platzwunde, und viele (inklusive alfred und mir) aufgeschlagene, blutige lippen. am schlimmsten erwischt es bine. beim aufprall biegen sich ihre 2 oberen vorderzaehne 90 grad nach hinten. glueck im unglueck: brigitte ist erfahrene zahnarztassistentin und hat sofort, als wir aus dem bus draussen waren, mit einigem druck die zaehne wieder nach vorne gebogen. sie selber hat ebenfalls angeschlagene zaehne. wir alle stehen mehr oder weniger im schock. bine hat kreislaufprobleme, ist fuer einige zeit kaeseweiss. der LKW hat die meiste wucht des busses abgefangen, und ist ueber eine betonmauer drueber geschleudert worden. hinunter gepurzelt, mehrmals ueberschlagen und im fluss gelandet. der LKW-fahrer ist daher der einzig wirklich schwerverletzte, mit einer schweren, offenen beinwunde. waeren wir in gegenrichtung unterwegs gewesen (oder die strasse auf der anderen flussseite), dann waeren wir im fluss gelandet, und wahrscheinlich ertrunken. waere es ein frontalzusammenstoss gewesen, waeren die folgen fuer uns katastrophal gewesen. wenn, wenn, wenn....eigentlich ist alles gutgegangen und wir praktisch unverletzt. aber die gedanken, dass sich mein leben schlagartig haette veraendern koennen, sitzen tief und beschaeftigen mich auch heute noch.

so verlaueft der aufenthalt in pokhara dann natuerlich doch ganz anders als geplant. aber wir sind trotzdem so froh, dass wir diesen ort geniessen koennen. dass wir noch alle heil sind. bine und brigitte gehen zum zahnarzt. die zaehne sind zum glueck nicht gebrochen, aber die nerven abgerissen. das heisst fuer bine, dass ihre zaehne erhalten bleiben. nach 2 wurzelbehandlung (in kathmandu) hat bine wieder 2 funktionierende vorderzaehne. auch wenn sie tot sind. und auch wenn sie fuer einige monate (3-6) eine nicht sehr schoene spange tragen muss, damit die zaehne wieder festen halt kriegen. brigitte wird zurueck in deutschland ebenfalls eine wurzelbehandlung benoetigen. nach einigen tagen erholung und ausfluegen in der umgebung gehts zurueck nach kathmandu. als wir die busticket besorgen, erfahren wir, dass die strasse seit gestern aufgrund von vermurungen blockiert ist. der verkehr ist komplett eingestellt. eine bruecke weggerissen. dauer der blockade wohl einige tage. uns bleibt aufgrund der knappen zeit fast keine andere moeglichkeit, als den 55 euro teuren flug per 'cosmic air' nach kathmandu zu nehmen. der einzige vorteil: wir ersparen uns die horror-busfahrt ueber den privthi highway.

in ein paar tagen fliegen brigitte und alfred wieder zurueck. und auch fuer mein allerliebstes binerle und mich beginnt wieder ein ganz neues abenteuer.

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