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in Vorbereitung: 3onTour!
SYRIEN I: kilis - palmyra

  
Syrien
17. November 2002

SYRIEN I: kilis - palmyra

4140 km, amman (JORDANIEN)

schon auf den ersten kilometern in syrien ist mir klar - dieses land ist der erste echte schritt nach asien. kein vergleich mit der doch sehr westlich orientierten, modernen tuerkei. siedlungen und staedte werden schon kilometer vorher durch stinkenden muell und dreck auf beiden strassenseiten angekuendigt. der verkehrs ist chaotisch, mittelstreifen existieren nicht mehr, der verkehr und gegenverkehr geht ineinander ueber. aich der islam ist hier viel staerker ausgepraegt - wir sehen viele frauen die komplett verhuellt sind, inklusive handschuhe und tuch vor den sehschlitzen.

die syrischen hunde unterscheiden sich ebenfalls sehr von ihren tuerkischen artgenossen. meist nur 2-3 cm dick, ganz flach aber breit, lassen sie sich meist ganz regungslos auf oder am rand der strasse sonnen. den ersten lebendigen hund habe ich erst nach 3 tagen gesichtet...

die erste etappe in unserem bereits siebenten land unserer tour war kurz. nur 70 km von der tuerkischen grenze entfernt liegt aleppo, halap im arabischen. die 2. groesste stadt des landes. hier haben wir uns vor allem an all das neue gewoehnt. allen voran die arabische kultur, die schrift und die sprache. mittlerweile beherrschen wir zumindest die wichtigsten grundwoerter und koennen die arabischen zahlen entziffern. weiters neu sind die waehrung, der chaotische verkehr, die mentalitaet, das essen. gut und billig sind die sogenannte felaffeln, arabische sandwich sozusagen. salat, paradeiser, kartoffeln, etc sind in das typische flache brot eingewickelt. schmeckt sehr gut und ist ueberall zu kriegen. super!

wir goennen uns ein quartier mit warmer dusche, das tut gut. schlendern durch den alten souk, den kleinen, engen marktgassen der stadt, die fuer mich viel mehr authentizitaet ausstrahlen als die doch sehr touristischen basare in istanbul. im kaffee ganz an der zitadelle, der burg, der stadt wandeln wir wohl auf den spuren meiner eltern. sie werden sich in wenigen tagen wohl ebenfalls hier aufhalten. komisches gefuehl. hier treffen wir auf miroslav, einem tschechischen radler. er schlaeft meist in fabriken, bleibt in keiner stadt weil zu teuer, und ist ueberhaupt im vergleich zu uns rasend schnell unterwegs. das finde ich ueberhaupt nicht gut. mich beeindruckt aber seine sparsamkeit, sein altes, tschechisches rennrad mit stark abgenuetzen teilen. seine bescheidenheit. was mache ich mir eigentlich sorgen, mit meinem super-reiserad und hotelzimmer mit warmer dusche...

nach 3 tagen ziehen wir weiter. gen osten. gen wueste. bei regen und kaltem wetter. wir koennen gar nicht glauben, dass das wetter in syrien so unfreundlich sein kann. als es bereits fast dunkel ist, fragen wir bei einem bauernhaus, ob wir unser zelt bei ihnen aufstellen duerfen. sofort werden wir zu ihnen ins haus geladen. als ein familienmitglied aus aleppo dazustoesst, mohammad, der sehr gut englisch und sogar deutsch spricht, erfahren wir einiges ueber die familie und ihr land. wie so ueblich lebt eine grossfamilie, bestehend aus bruedern, schwestern, und cousins und cousinen zusammen auf einem hof. die haupteinnahmequelle ist die landwirtschaft, vor allem schafzucht. aber die besser gebildeten maenner duerften auch einiges an geld in die famiienkasse bringen. mohammad arbeitet als geschichte-lehrer in saudi-arabien und ist auch an der universitaet von aleppo beschaeftigt. ein anderer studiert physik.

obwohl ramadan ist, werden wir trotz unserem widerstand am naechsten tag zu einem fruehstueck eingeladen. wir essen und die familie schaut zu. nicht gerade angenehm fuer uns.

wir verlassen dann die hauptstrasse, die weiter nach deir-ez-zur fuehrt, und fahren eine kleine strasse nach rasafahn. eine eher unbekannte ausgrabungsstaette einer roemischen stadt. es ist heiss, und keine einzige menschenseele ist zu sehen. mit ausnahme eines vietnamesen, der mit plastiksack in der einen und einem schwarzen regenschirm als sonnenschutz in der zweiten hand ueber die historische staette spaziert. 'i am here since 10 o clock. we are the only one here', spricht er uns an, und nach einer kleinen pause: 'what time is now?'.

die kleine strasse durch die wueste ist einsam, die wenigen autofahrer sprechen uns an, ob sie uns mitnehmen sollen. dass wir jedes mal dankend ablehnen versteht niemand. am naechsten tag muessen wir aber einen lift nehmen. schon in der nacht hatte ich fieber und durchfall, und als wir die ersten kilometer bei starken gegenwind dahinkriechen, merke ich dass die naechste ortschaft fuer mich heute nicht erreichbar ist. ohne wasser und lebensmittel. daher nehmen wir fuer 50km einen pickup nach as suknah. die kinder dort sind sehr aggressiv. nachdem wir alles gekauft haben und den ort verlassen, geraten wir regelrecht in einen steinehagel. wie krieg. es ist deprimierend.

palmyra war eine wichtige oasenstadt der antike, und ist heute eine der wichtigsten touristischen attaktionen des landes. trotzdem ist der ort fast ausgestorben. der anschlag am 11. september 2001 ist angeblich schuld. die touristen bleiben aus. allerdings nicht die globebiker. wir treffen karin und peter aus holland ([=>http:\/\/dewereldbv.fol.nl]), ebenfalls auf welttour unterwegs und verbringen zusammen einen sehr netten, lustigen abend. interessant, wie verschieden die gruende einer reise, wie verschieden die vorgeschichten, wie verschieden die reisen selbst sein koennen.

palmyra selbst fasziniert mich wegen seinem vergangenen reichtum. haben wir in der wueste nur einfache, zweckdienliche blockhaeuser gesehen, mit der einzigen aufgabe den wind, die kaelte oder hitze abzuhalten um ein geschuetztes zuhause zu bieten, so ist, oder vielmehr war, die ganze stadt eine einzige 'verschwendung' an repraesentativen bauwerken. eine einzige saeule besticht durch tonnen von gehaeuenem stein und aufwendig geschmueckten kapitellen. und die hunderten, die damals gestanden sind, saeumten lediglich beide seiten der hauptstrasse durch die stadt. wahnsinn!
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