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in Vorbereitung: 3onTour!
Ecuador 1 - Das Nördliche Hochland und die Küste

  
Ecuador
25. Oktober 2013

Ecuador 1 - Das Nördliche Hochland und die Küste

6479 km, Cuenca

Erstmals auf dieser Tour haben wir "Schwierigkeiten" bei einer Einreise - nämlich beim Grenzübergang Rumichaca bei Tulcán nach Ecuador. Die ecuadorianische Grenzbeamtin erkennt irgendwie, dass Bine schon einmal in diesem Land war (zu Besuch bei meinem Bruder und Schwägerin vor einigen Jahren). Und genau das scheint Schwierigkeiten zu bereiten, da Bine im System nicht zu finden ist. Nach 20 Minuten werde ich nervös, denn normalerweise waren die Grenzformalitäten eine Angelegenheit von wenigen Minuten. Schliesslich, bei einem weiteren Grenzbeamten, bekommt sie endlich ihr 90-Tage Visum. Als ich mich zur Immigration begebe erwarte ich ähnliches, denn ich war vorher schon 2 Mal in Ecuador. Ausserdem hat sich seither mein Familienname geändert. Aber nichts dergleichen.  Nach 2 Minuten bin auch ich "drinnen", im 10. Land der TourSur!

Auch Ecuador empfängt uns mit offenen und freundlichen Menschen. Und moderaten bis billigen Preisen. Der grosse Vorteil zu Kolumbien - das lokale Bier "Pilsener" gibt´s für nur einen Dollar in der praktischen 600 ml Flasche...

Auf dem Weg nach Quito

An sich wollen wir über das Naturschutzgebiet Páramo del Angel radeln - eine tolle, unbewohnte Landschaft in den Bergen. Aber wir versäumen die Abzweigung (eine kleine Staubstrasse nach rechts), und nach einem langen Aufstieg wird uns klar, dass wir zu weit geradelt sind. Aber ich bringe nicht die Motivation auf, alles wieder retour zu fahren. Bine reicht`s und sie fährt mit einem Pickup nach Ibarra vor.

Die Strecke dorthin ist nett und das Wetter toll. Ambuquí, wo ich die Nacht verbringe, liegt weit unten in einem Tal. Die Abfahrt dorthin runter natürlich zum Geniessen. Unten ist es merklich heisser, die Landschaft total trocken. Sehr nett. Dann geht´s natürlich wieder rauf, schliesslich nach Ibarra, wo ich wieder Bine treffe.

Am nächsten Tag radeln wir nur knapp 30 Kilometer ins berühmte Otavalo. Aber das Radeln dorthin ist aussergewöhnlich. Seit langem haben wir wieder strahlendes Wetter, tiefblauen Himmel und demententsprechend tolle Sicht auf die umgebenden Berge - Volcan Imbabura links, Volcan Cotacachi rechts, und hinten aber scheinbar nahe der gigantische Volcan Cayambe (5790 Meter). Das macht Spass. Otavalo ist anders als erwartet relativ modern und "rausgeputzt". Und seit Panama City sehen wir wieder westliche Touristen. Der Touristenmarkt mit all den Stoffen, Kleidern und Schmuck ist schön. Aber schon da merke ich, dass ich nicht gesund bin. Ich bekomme  eine Magen-Darm Grippe, die uns leider 4 Tage in der Stadt hält.

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Bine auf dem Weg nach Otavalo - hinten Volcan Imbabura (Imbabura, Ecuador, Oktober 2013)
Bine auf dem Weg nach Otavalo - hinten Volcan Imbabura (Imbabura, Ecuador, Oktober 2013)


Vor allem lästig, weil Alfred und Brigitte - Bines Eltern - bereits mit ihren Rädern in Quito gelandet sind, und wir uns schon einen Zeitpunkt fürs Aufeinandertreffen ausgemacht haben. Den müssen wir verschieben, und die beiden bleiben etwas länger als geplant in Quito. Für Alfred und Brigitte ist dies der Beginn ihrer zweiten grösseren Radreise in ihrer noch jungen Pension. Vor 1 Jahr waren sie in Neuseeland unterwegs. Nun soll`s für die beiden von Quito aus nach Süden gehen. Die erste Zeit wollen wir zu viert radeln, so der Plan.

Die 2 Radltage nach Quito hinein sind dann nicht unbedingt leicht. Den ersten verkürzen wir freiwillig nach 1000 Höhenmetern, weil wir in Otón einen netten koreanischen Radler mit seinen beiden Kindern treffen, und bei ihm unter einer offenen Sporthalle kampieren. Am nächsten radeln wir weiter hinauf und hinunter, am neuen Flughafen von Quito vorbei (der liegt jetzt ausserhalb der Stadt in einem Tal daneben) nach Tumbaco. Ab da beginnt die Horrorfahrt in die Hauptstadt. Die dichtbefahrene 4-spurige Strasse führt stetig hinauf. Der ignorante Stadtverkehr macht uns mit seinem Tempo, Lärm, Dreck und knappen Vorbeifahren das Leben schwer. Wir sind stets hochkonzentriert, der Blick dauernd im Rückspiegel. Mit ein paar Kilometern in der Stunde kriechen wir durch die Verkehrshölle.

Ein freundlicher Rennradfahrer (unterwegs mit seinem Auto) macht uns darauf aufmerksam, dass wir direkt auf einen Tunnel zusteuern. Für Fahrräder natürlich verboten und viel zu gefährlich. Also müssen wir noch einen Umweg nach Norden in Kauf nehmen. In Quito selbst, obwohl wir nur einen Übersichtsplan haben, geht`s dann eigentlich ganz gut voran. Wir verfahren uns kein einziges Mal. Manchmal müssen wir Strassen mit seperaten Busspuren überqueren. Da heisst´s, das Rad illegalerweise über Wälle und Gehsteige zu heben. Zu allerletzt liegt das Hostal noch oben am Waldrand, die Strasse dorthin führt direkt den Hang hinauf. Nach 1.300 Höhenmetern erreichen wir schliesslich nach 17 Uhr ziemlich fertig das Hostal. Der Tag ist vergessen, wir vier begrüssen einander überschwänglich!

Zusammen mit Bines Eltern

Wir verbringen nun viel Zeit miteinander, um gegenseitig von unseren Erlebnissen des letzten halben Jahres zu berichten. Quito interessiert mich nur am Rande, da ich schon 2 Mal da war. Einmalig ist die Aussicht an einem Tag, als der Volcan Cotopaxi ganz klar und frei zu sehen ist. Toll! Ansonsten radeln wir ein wenig herum, essen im Parque El Ejido zu Mittag. Bekommen sogar ein neues Innenlager für Bines Rad. Wir verlängern um einen Tag, um meinen 41. Geburtstag nicht in der Verkehrshölle von Quito, sondern angenehm in Quito zu feiern.

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Das riesige Quito beim Rausfahren (Pichincha, Ecuador, Oktober 2013)
Das riesige Quito beim Rausfahren (Pichincha, Ecuador, Oktober 2013)


Dann geht`s erstmals zu viert los. Die Ausfahrt ist zwar anstrengend, aber wir finden immer den richtigen Weg. Viele hundert Höhenmeter geht es hinauf. Die Aussichten über das schier endlose Häusermeer der Stadt und zusammengewachsenen Vorstädten sind atemberaubend. Brigitte und Alfred beginnen bald ihr Rad zu schieben. Zweifellos ein extrem herausfordernder Beginn einer Reise, mit schwer bepacktem Rad und untrainiert. So übernachten wir in Tambillo, knapp ausserhalb des gigantischen Siedlungsgebietes von Quito.

Cotopaxi Nationalpark

Machachi ist dann der Ausgangspunkt einer noch viel herausfordernderen Radltour: der Cotopaxi Nationalpark von Nord nach Süd. Das ist nicht nur für Brigitte und Alfred ein extrem schwerer Happen, sondern auch für uns. Am ersten Tag geht es zuerst für 12 Kilometer auf Kopfsteinpflaster hinauf. Für einen Radler mit vollbepacktem Drahtesel ein Albtraum. Wir vier schieben fast die ganze Zeit, ich vor allem weil ich das Rad schonen will. Aber alles zu radeln hätte ich trotzdem nicht geschafft. Alfred und Brigitte schlagen sich sehr gut, auch wenn ihnen natürlich die enormen Anstrengungen anzusehen sind. Am Nachmittag erreichen wir den Beginn der Schotterpiste, ab da kann man wieder gut radeln. Aber Brigitte ist fix und alle, und so suchen wir nach einem geeigneten Zeltplatz.

Die Landschaft ist bereits schon sehr interessant und einsamer. Das Wetter schön. Aber ob der vielen Weidezäune ist ein Kampierplatz schwer zu finden. Und plötzlich taucht der Volcan Cotopaxi zum ersten Mal auf. Der Berg ist fast frei, die Abendsonne lässt die unteren, schneefreien Hänge rot leuchten. Was für ein Anblick! Allein dafür haben sich die schweisstreibenden Kilometer hier hinauf gelohnt. Trotz andauerndem Suchen finden wir keinen Zeltplatz, und schliesslich erreichen wir den Nordeingang des Nationalparks, wo wir kampieren dürfen. Brigitte ist bereits jenseits von Gut und Böse, auch Alfred ist fertig. Aber der Anblick des Cotopaxi in der Abendsonne ist einfach nur toll. Bei starkem Wind bauen wir unsere Zelte auf. Bine und ich kochen schliesslich noch für die beiden tapferen Radler, die zwar noch fast keine Kilometer geradelt sind, aber umso mehr Höhenmeter bewältigt haben. Heute allein waren es knappe 1000!

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Spitzen Kampierplatz! - Parque Nacional Cotopaxi (Cotopaxi, Ecuador, Oktober 2013)
Spitzen Kampierplatz! - Parque Nacional Cotopaxi (Cotopaxi, Ecuador, Oktober 2013)
Am nächsten Tag wieder tolle Blicke auf den Berg! Die Piste weiter hinauf in den Park ist dann teilweise etwas ruppig. Es geht stetig aufwärts und der Wind kommt von vorne. Aber immer wieder bleiben wir stehen und geniessen den Berg vor uns. Machen Fotos von allen erdenklichen Perspektiven. Für mich hat sich der Besuch des Nationalparks schon jetzt mehr als ausgezahlt. Auch Bine ist ganz happy. Wir erreichen am späten Vormittag die Nationalpark-Haupstrasse. Eine moderne, breite Schotterpiste, die bald asfaltiert werden soll. Mittagessen gibt`s bei einer Lagune. Und dann bauen wir unsere Zelte an einem offiziellen Kampierplatz auf, der eigentlich nur aus einem Hang besteht (keine Toiletten, Wasser...). Einige hundert Meter von der Strasse entfernt und etwas oberhalb gelegen sind wir für uns alleine. Und haben einen tollen Ausblick auf das Tal, die Laguna und dem Vulkan Ruminahui gegenüber. Der Cotopaxi hinter uns ist in Wolken. Wir geniessen diesen einmaligen Zeltplatz in vollen Zügen und erholen uns. Was für ein Privileg hier oben sein zu dürfen.

Am nächsten Tag geht´s eigentlich nur mehr runter. Der Cotopaxi ist nicht mehr sichtbar, und etwas später tauchen wir in eine dichte Nebelsuppe ein. Die Schotterpiste wird dann weiter unten zur Asfaltstrasse. Beim Nationalpark-Haupteingang wärmen wir uns mit einem Kaffee auf. Danach geht`s noch schneller hinunter zur Panamericana bei Lasso. Ein hässliches, riesiges, 6-spuriges Asfaltband durch ein ebenso hässliches, breites und bebautes Tal. Was für ein Unterschied zu den letzten Tagen in Ruhe und Einsamkeit.

Weiter durch die Berge ins Tiefland

In Latacunga beziehen wir Quartier. Und am nächsten Tag verlassen wir die Panamericana wieder - zum Glück. Unser Plan ist es, über viele Berge schliesslich ins Tiefland an die Küste zu gelangen, wo wir die Schwiegermutter meines Bruders in Crucita besuchen wollen. Die Fahrt ins Tiefland haben wir aber höhenmässig und damit auch zeitmässig unterschätzt. Aber die Landschaft, die Ausblicke und das Wetter machen das alles mehr als wett.

Als wir Latacunga verlassen, bestaunen wir eine imposante Prozession durch die Stadt. Bunt gekleidete Menschen, tanzend und singend zu Fuss oder auf beschmückten Autos unterwegs. Riesige Aufbauten, an denen zubereitete Meerschweinchen, ganze Säue, Schnapsflaschen und sonstige Lebensmittel hängen. Toll.

In Pujili, etwas westlich von Latacunga gelegen, ist gerade Markttag. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen und tauchen ein in die lebhafte und bunte Marktwelt, wo von Musik-CDs, über Elektrosachen, Kleidung, Schuhe und natürlich Lebensmittel so ziemlich alles angeboten wird, was man sich vorstellen kann. Ein Hotel gibt es nicht, und so fragen wir zuerst bei einer Tankstelle, und dann bei der lokalen Feuerwehr - den Bomberos - nach. Mehr als freundlich laden sie uns gleich zu sich ein. Wir ziehen in ihren (staubigen, eher nicht benutzten) Fitnessraum ein. Kaufen ein paar Bier, kochen in der Küche der Bomberos. Wir sind von der Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Bomberos überwältigt und geniessen den Abend.

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Super Morgen beim Wildkampieren - Strecke Pujilj-La Maná (Cotopaxi, Ecuador, Oktober 2013)
Super Morgen beim Wildkampieren - Strecke Pujilj-La Maná (Cotopaxi, Ecuador, Oktober 2013)
Dann beginnt die traumhafte Odyssee über die Berge. Von Pujili aus schraubt sich die Strasse in einem Stück 1000 Höhenmeter hinauf. Bei der Mittagspause sehen wir weit hinunter ins verbaute Tal der Panamericana. Auch wenn vor allem Brigitte sehr viel ihr Rad schieben muss, schaffen wir es hinauf auf die erste Anhöhe. Unterhalb der Strasse finden wir einen guten Platz für unsere Zelte für die Nacht. Der nächste Tag ist strahlendblau, und die Umgebung dementsprechend atemberaubend. Bei der Weiterfahrt sehen wir rechterhand die beiden Iliniza Vulkane. Super! Es geht wieder einige hundert Höhenmeter hinauf. Hinter uns wird plötzlich wieder der Cotopaxi vollkommen frei sichtbar. Ein tolles Bergpanorama tut sich vor uns auf. Was für ein Glück. Schliesslich erreichen wir den ersten Pass auf zirka 4.000 Meter.

Dahinter wird die Landschaft trockener. Die Strasse geht hinab in ein Hochtal, um gleich danach wieder auf den 2. Pass hinauf zu führen. Von dort sehen wir bereits die einzige nennenswerte Siedlung zwischen Pujili und dem Tiefland - Zumbahua. Hier bleiben wir für einige Zeit.

Zum einen, um uns alle von den anstrengenden Radltagen im Cotopaxi NP und von den Bergetappen hierher zu erholen. Zum anderen, um uns mit dem Kocher von Brigitte und Alfred zu beschäftigen. Obwohl ein neuer Kocher, funktioniert der Optimus Kocher nicht richtig. Wir probieren alles mögliche aus, aber meistens geht er gar nicht. So entschliessen sich die beiden schliesslich - nach Abwägen der möglichen Optionen - , einen neuen Kocher in Quito zu kaufen. Ihre Radreise steht erst am Beginn, und ein verlässlich funktionierender Kocher ist ein Muss auf so einem Trip.

Die Kurzfassung: Alfred, Bine und ich fahren mit einem Taxi nach Latacunga, dann mit einem Bus nach Quito, von dort mit einem städtischen Bus zu einem Outdoorladen. Ein neuer MSR Dragonfly wird gekauft. Danach alles retour bis Latacunga, dort ein Bus nach Pujili. Dann wollen wir wieder ein Taxi nach Zumbahua bekommen. Aber es geht nur für horrende Summen. Als wir auf einen möglichen Bus warten, wird es bereits dunkel. So nützen wir die Gelegenheit, bei einem kleinen Laster mitzufahren. Das ist in ganz Südamerika so üblich, dass private Leute mit ein wenig Platz andere Menschen für ein kleines Entgelt mitnehmen. Auf der Ladefläche liegt eine gesälchte Sau, die ziemlich gut riecht - ich habe Riesenhunger und den ganzen Tag über fast nichts gegessen. Rund um die Sau stehen einige Einheimische und 3 Gringos auf der Ladefläche, und die Fahrt geht los. Als einige Menschen aussteigen, gibt es genug Platz um uns hinzusetzen. Der Fahrtwind ist saukalt, die Sterne sind zu sehen. Und bereits tief unten, das hell beleuchtete Tal bei Latacunga. Als Radler prägt sich eine Strasse - vor allem wenn es bergauf geht - natürlich viel mehr ein. Und so wissen wir dauernd bescheid, wo wir gerade sind. Spät abends erreichen wir Zumbahua, Brigitte ist bereits besorgt. Kocher-Kauf - erledigt!
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Laguna Quilotoa (Cotopaxi, Ecuador, Oktober 2013)
Laguna Quilotoa (Cotopaxi, Ecuador, Oktober 2013)


Dann radeln wir noch auf den tollen Lago Quilotoa hinauf. Das Wetter ist sehr schön, aber oben bläst richtiggehend ein Sturm. Der Kratersee Quilotoa ist beeindruckend - türkisblaues Wasser unten im kreisrunden Vulkankrater!

Am Abreisetag findet der wöchentliche Markt statt. Wieder ein farbenfrohes Spektakel, das ich sehr geniesse! Die Strasse geht dann bei sonnigem Wetter natürlich wieder - erraten - hinauf. Nach 10 Kilometern sind wir auf dem 3. und letzten Pass auf über 4.000 Meter angekommen. Brigitte musste viel schieben, und ihre Schulter schmerzt sehr. Da es oben zu stürmisch ist, radeln wir noch ein paar Kilometer hinunter und essen windgeschützt zu Mittag.

An diesem Nachmittag rollen wir insgesamt 3.600(!) Meter hinunter. Für mich wohl ein neuer Rekord. Die Strasse ist gut, so geht`s flott dahin. Im Mittelteil hängt dichtester Nebel. Wir montieren unsere Beleuchtung aufs Rad. Sichtweite nur so um die 20 Meter. Schade um die tolle Aussicht ins Tiefland, aber dieses Wetter dürfte hier der Normalfall sein. Die feuchte Küstenluft kühlt an den Bergen ab und bildet den Nebel. Die Vegetation wird schnell immer grüner und satter. Was für ein Wandel in wenigen Stunden. In Zeitraffer durchradeln wir vom Hochland, über fruchtbares Almland, Waldgebiete, das tropische Tiefland viele verschiedene Landschaftsformen. Bine reisst sich noch eine Platten auf. Aber das hält uns auch nicht mehr auf, nach 80 Kilometern die Stadt La Maná im Tiefland zu erreichen.

Im Tiefland angekommen

Plötzlich ist die Luft schwül, und kurze Hose und Leiberl die richtige Bekleidung für den Abend. Mir gefällt es sehr. Eine tolle Abwechslung zu den vielen Wochen in den Bergen.

Erinnerungen an Zentralamerika werden wach. So können wir tagsüber frische Ananas essen, oder frische Milch aus der Kokosnuss trinken. Bine und ich sehen Bananenplantagen, die Flora und Fauna ist wieder "tropisch". Ansonsten gibt es über die Strecke La Maná, Quevedo, Pichincha, Calceta, Rocafuerta und schliesslich zur Pazifikküste nach Crucita nicht viel zu schreiben. Ausgedörrte Landschaft, uninteressantes Radeln, grosse Hitze. Alfred hat darunter am meisten zu leiden. Völlig fertig und entkräftet quält er sich nach Pichincha.

Crucita, das Bine und ich schon von Besuchen her kennen, hat sich nicht sonderlich viel verändert. Aufgrund von Ferien ist jetzt allerdings ziemlich viel los. Der wunderschöne Strand ist voll von einheimischen Touristen, die Lokale entlang des Malecón gut besucht. Schnell finden wir das Haus von Laura, der Schwiegermutter meines Bruders. In den 2 Tagen, in denen wir dort sind, werden wir fürstlich versorgt. Drei grosse Mahlzeiten bekommen wir täglich aufgetischt. Frühstück mit frischen Früchten und Säften und auch Bolónes, zu Mittag zum Beispiel köstliche Ceviche Encebollado und abends gefüllte Auberginen oder Kartoffelauflauf. Dazwischen Baden oder den Malecón entlang schlendern. So lässt es sich leben!

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Lecker Bolón in Crucita (Manabí, Ecuador, Oktober 2013)
Lecker Bolón in Crucita (Manabí, Ecuador, Oktober 2013)


Weiter radeln wir zu viert die Küste entlang nach Süden. Das Wetter ist aber fast durchwegs bewölkt, regnerisch und ausnehmend kühl. Der Plan, abends nach dem Radeln schnell einmal in den Pazifik zu springen, geht nicht auf. Die Strasse selbst führt aber oft direkt am Meer entlang und ist streckenweise wirklich schön. Am meisten geniessen wir das Essen entlang der Küste. Für wenig Geld gibt`s frischen Fisch oder herrliche Schrimps mit köstlichen Beilagen.

So radeln wir über Manta, das eigentlich nichts zu bieten hat (ausser kühles Pilsener in der praktischen 600 ml Flasche...), ganz nah die Küste entlang nach Santa Marianita. Ein sehr nettes, kleines Strasserl, das erst einige Kilometer vor San Lorenzo auf die Haupstrasse zurückführt. Dort quartieren wir uns in ein einfaches Bambushaus am Strand ein, wo wir abends nett beieinander sitzen.

Wir wollen an sich im Parque Nacional Machalilla kampieren, aber abends erfahren wir, dass diese Möglichkeit nicht mehr besteht. So bleiben wir im gleichnamigen, überteuerten Ort und radeln am nächsten Tag nur kurz nach Puerto Lopez. Gerade rechtzeitig, denn wir lassen die Gelegenheit nicht ungenützt, um gleich an einer Besichtigungstour für Buckelwale teilzunehmen. Räder und Gepäck lassen wir beim Tour operator, und schneller als wir denken können sitzen wir mit zirka 20 anderen Touristen (wo kommen die eigentlich alle her?) in einem Boot und ab geht`s auf´s offene Meer. Bine und Brigitte "verabschieden" sich schon relativ bald von der Aussenwelt, da sie zu 100% mit ihrer Übelkeit beschäftigt sind. Sie versuchen anscheinend mit ihrem Erbrochenen die Wale anzufüttern. Aber es funktioniert nicht. Doch plötzlich sehe ich eine Schwanzflosse - eine gigantische Schwanzflosse. Danach einen Rücken - ein riesiger Rücken. Was für Tiere! Später erblicken wir immer wieder eine Walmutter mit einem Jungen. Teilweise nur 10 Meter vom Boot entfernt tauchen sie auf, das Ausblasen der Luft höre ich ganz deutlich und nah. Was für ein Erlebnis. Brigitte hat die Augen geschlossen, ihr Gesicht ist gelb. Bine schaut apathisch in die Ferne, ihr Gesicht ist weiss. Nun mischt auch Alfred kräftig beim Fischeanfüttern mit, dazwischen hat er aber noch Zeit, mir Fotografiertipps zu geben ("Du musst auf Serienbelichtung umschalten!"), ehe er wieder den Kopf über die Reeling beugt. Nach einem Schnorchelgang sind wir nach so 4 Stunden wieder an Land. Mir hat`s sehr getaugt, solche Riesentiere habe ich noch nie gesehen. Brigitte hätte sie wohl auch gerne gesehen...

Als sich die Mägen der 3 Wenzels wieder beruhigt haben, gibt es für alle lecker Fisch...
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Strand in Puerto Cayo (Manabí, Ecuador, Oktober 2013)
Strand in Puerto Cayo (Manabí, Ecuador, Oktober 2013)


In Olón würden wir gerne einen Tag baden, aber das Wetter bleibt grau in grau. So verabschieden wir uns langsam von der Küste. Der Plan, von Manglaralto direkt nach Osten nach Pedro Carbo zu radeln, scheitert, weil es die in unserem Plan eingezeichnete Strasse gar nicht gibt. So bleibt nur der Umweg nach Santa Elena, Progreso und Guayaquil. Grossstädte versuchen Bine und ich grundsätzlich zu meiden. Wer hätte gedacht, dass wir sowohl Quito als auch Guayaquil durchradeln? Wir auf jeden Fall nicht.

Aber die Guayaquil-Duchfahrt ist nicht allzu schlimm. In Durán übernachten wir noch 2 Mal. Dann kommt es zum tränenreichen Abschied von Brigitte und Alfred. Die beiden wollen über El Triunfo bei Zhud wieder auf die Panamericana stossen, um nach Cuenca nach Macará sowohl ins Tiefland als auch nach Peru zu gelangen. Bine und ich hingegen planen, über den Parque Nacional Las Cajas zu radeln, und von Cuenca aus direkt nach Süden, um schliesslich bei Zumba nach Peru einzureisen. Im Dezember wollen wir uns allerdings in Peru wiedersehen, denn dann steht ein Besuch von Bines Tante an.

Trotzdem fällt es den 3 Wenzels schwer sich zu trennen. Aber wir werden uns wieder sehen. Sogar viel früher als gedacht.

An diesem Tag geht`s für Bine und mich - nun ungewohnterweise wieder nur zu zweit - ganz leicht und eben nach Puerto Inca. Es ist dies das Ende unserer Tieflandfahrt. Wir wollen wieder ins Hochland. Ein gewaltiger Aufstieg von 0 auf über 4.100 Meter steht uns bevor. Ich freu mich drauf!   

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