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in Vorbereitung: 3onTour!
Panamá

  
Panamá
9. August 2013

Panamá

Guabito, Changuinola, Almirante, Rambala, Gualaca, Tolé, Santiago, Penonome, San Carlos, La Chorrera, Panamá City

4209 km, Panamá City

Die ersten rund 15 Kilometer in Panamá sind brettleben. Wir wissen noch nicht, dass das die letzten in diesem Land sein werden.

Wir erreichen am frühen Nachmittag die erste Stadt - Changuinola. Bine will hier bleiben, und ich stimme zu. Wir beziehen schliesslich in einem chinesischen Hotel Quartier, direkt gegenüber eines Optikers und eines Zahnarztes. Reiner Zufall. Aber Schicksal.

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Hier entledigt sich Uli eines schmerzenden Weisheitszahnes - Changuinola (Bocas del Toro, Panamá, Juli 2013)
Hier entledigt sich Uli eines schmerzenden Weisheitszahnes - Changuinola (Bocas del Toro, Panamá, Juli 2013)
Ich habe schon seit einigen Tagen immer wieder Zahnschmerzen, kann aber den eigentlich schmerzenden Zahn nicht genau ausmachen. Ich hoffe immer noch, dass der Schmerz von alleine verschwindet. Aber am nächsten Tag in der Früh ist es eindeutig - oben rechts der letzte Zahn. Ich entschliesse mich zum Zahnarzt zu gehen. Bei Praxiseröffnung erfahre ich, dass der Arzt erst nachmittags um drei Uhr da sein wird. Also warten. Bis dahin schreiben wir uns einige diesbezügliche spanische Vokabeln auf. Die Qualität des Arztes und der Einrichtung machen mir am meisten Kopfzerbrechen.

Wir rufen Brigitte, die Mutter von Bine an, die Jahrzehnte lang Zahnarztassistentin war. Nach Schilderung meiner Symptome ist sie sich sicher: ich brauche eine Wurzelbehandlung. Als ich mich am Nachmittag vom Zahnarzt untersuchen lasse, ist seine Heilmethode aber eine andere: Zahn ziehen. Das will ich natürlich nicht, auch wenn ich das vom "third molar" nicht verstehe. Er bohrt daher den Zahn auf, und gibt ein Medikament hinein. Wenn keine Schmerzen mehr auftauchen, kann man nach 4 Wochen eine permanente Füllung geben.

Zurück im Hotel rufen wir wieder Brigitte an. Als sie hört, dass es sich um den dritten Backenzahn, also um den Weisheitszahn handelt, meint sie auch: Ziehen lassen ist besser und sicherer. Also wieder in die Praxis, und nach einer Betäubungsspritze, die mich fast umhaut, wird der Zahn gezogen. Ich bin erleichtert und froh, dass es vorbei ist.

Nach einem Ruhetag geht`s schmerzfrei und geistig wieder frei mit dem Rad weiter.

Durch die Karibik Panamás

Und sofort geht es los mit steilen Hügeln. Rauf und runter. Hunderte Höhenmeter bis Almirante. Da es hier nicht viele Orte, und noch viel weniger welche mit Übernachtungsmöglichkeit gibt, bleiben wir in dem eher deprimierend wirkenden Ort. Finden ein sehr billiges Hotel und kochen gleich davor wir wie üblich Nudeln mit Salsa de Tomate. Manche Typen sind etwas fremdartig.

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Schöner Regenwald entlang der Küstenstrasse (Bocas del Toro, Panamá, Juli 2013)
Schöner Regenwald entlang der Küstenstrasse (Bocas del Toro, Panamá, Juli 2013)
Und in einigen Strassen liegt der Müll der Einwohner am Strassenrand. Aber wir merken erleichtert, dass das Preisniveau wieder um einiges gesunken ist.

Die Weiterfahrt nach Süden entlang des karibischen Meeres ist sehr schön. Für zentralamerikanische Verhältnisse einsam, mit Regenwald auf beiden Seiten der Strasse. Hin und wieder ein Blick auf die Inselwelt von Bocas del Toro. Die Höhenmeter aber summieren sich ordentlich. Zufrieden erreichen wir Rambala, ein paar Kilometer von der Hafenstadt Chiriquí Grande entfernt. Am nächsten Morgen wollen wir sehr früh los - schliesslich wollen wir die Cordillera Central überqueren, und kommen von Meeresniveau auf 1.300 Meter hinauf. Wir überqueren dabei auch die kontinentale Wasserscheide.

Doch ab Mitternacht schüttet es bis in die Früh, und wir entscheiden uns hier zu bleiben. Ich nütze den Tag und radle nach Chiriquí Grande. Eine Hafenstadt, an der die Trans-Panamanian Oil Pipeline endet. Hier wird das Öl, das auf der Pazifikseite von anderen riesigen Öltankern in die Pipeline gespeist wird, wieder in Öltanker verladen und nach Europa und an die Ostküste der USA verschifft. Ich sehe auch die kleinen Lanchas (Boote), die aus nur einem einzigen Stamm gebaut wurden. Beeindruckend.

Über die kontinentale Wasserscheide

Die Fahrt hinauf über die Continental Divide führt uns durch wunderschönen Nebelwald. Und jetzt in der Regenzeit macht mir der Nebel und Regen ausnahmsweise nichts aus. Es passt zu dieser Gegend, und hat etwas bezauberndes an sich. Als wir nach etwas mehr als 1000 Höhenmetern die Wasserscheide erreichen, denken wir, dass wir höhenmässig das meiste geschafft haben. Aber wieder mal weit gefehlt. Wir radeln noch einmal fast 30 Kilometer mit dauerndem Auf und Ab. Da es regnet, suchen wir nach einem Unterstand fürs Mittagessen. Doch hier ist es urplötzlich einsam. Erst beim Stausee Lago de Fortuna essen wir ein paar Brote. Und weiter geht`s. Erst nach insgesamt 55 Kilometern geht`s dann endgültig bergab ins Tiefland auf der Pazifikseite. Bei strömendem Regen, schlechter Strasse und dichtem Nebel. Wir montieren sogar unsere Radbeleuchtung. Nach fast 9 Stunden Fahrtzeit und knappen 2000 geradelten Höhenmetern erreichen wir sehr müde Gualaca. Danach das Suchen nach einer billigen Unterkunft. Danach Kochen (Nudeln mit eh schon wissen...), Abwaschen. Und dann totmüde ins Bett. Aber nach einem so intensiven und schönen Radltag ist es einfach nur schön!

Am nächsten Tag erreichen Bine und ich nach 20 Kilometern wieder die CA1. Da Panamá sehr schmal ist und nicht viele Strassen hat, ist diese oft die einzige Ost-West-Verbindung. Aber auch hier geht es dauernd Rauf oder Runter. Ebene Strecken sind in Panamá nicht leicht zu finden. Die Landschaft ist wieder fad. Der Verkehr nimmt wieder zu. Aber immerhin gibt es in Panama wieder einen breiten Seitenstreifen. Das ist für uns eine grosse Erleichterung.

Ziel: Südamerika

Aber es zieht uns nun immer stärker nach Panamá, und damit nach Südamerika. Wir sehnen uns nach Bergen, kühlerem Klima. Nach Wildzelten und nicht dauernd in teuren Hotels pennen. Nach Naturerlebnis. Nach Einsamkeit. Für uns ist eindeutig Zeit, das westlich orientierte, doch eher moderne, besiedelte, heisse, schwüle, wolkenverhangene und regnerische Zentralamerika zu verlassen.

So radeln wir meist 100 Kilometer am Tag, nicht selten trotzdem über 1000 Höhenmeter. Und kommen erst am Abend müde an - aber zufrieden ob unseres Durchhaltevermögens. Unser Ziel vor dem geistigen Auge: Südamerika! Landschaftlich ändert sich nicht viel. Die Städte zum Übernachten sind austauschbar. Tolé, Santiago, Penonomé. Bei San Carlos erreichen wir wieder Mal den Pazifik. Aber aus einem Ruhetag mit Erholung am Meer wird nichts. Die Quartiere sind sauteuer. Das Geld geht uns aus. Es passt irgendwie nicht meht zusammen. So radeln wir spätnachmittags weiter, und sind froh, dass wir in Gorgona doch noch ein heruntergekommenes, billiges Quartier finden.

Am nächsten Tag geht´s gleich weiter. In die letzte grosse Stadt La Corcherra, nur mehr 35 Kilometer von Panamá entfernt. Hier machen wir 2 Ruhetage. Die brauchen wir wirklich. Ausschlafen, Mails checken, durchschnaufen. Aber die Freude auf Südamerika ist gross. Und wir bereiten uns auf Panamá City vor. Quartiere checken. Und vor allem die Überfahrt nach Kolumbien recherchieren.

Panamá City

Die Einfahrt in die Hauptstadt ist dann bei weitem nicht so schlimm, wie wir es erwartet haben. Zum ersten ist die Überquerung der Puente de las Americas, die den Beginn (oder das Ende) des Panamá-Kanals überquert, leichter als gedacht. Es gibt zwar keinen Randstreifen, aber der Verkehr und deren Geschwindigkeit hält sich in Grenzen. So wie eigentlich in ganz Panamá City.

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Das moderne Panamá City (Panamá, Panamá, Juli 2013)
Das moderne Panamá City (Panamá, Panamá, Juli 2013)


Gleich nach der Brücke biegen wir nach Almador ab, radeln zum Yachtclub. Dort gibt es nämlich angeblich eine gute Möglichkeit, gratis zu kampieren. Wir entdecken zwar ein paar Wohnmobile, aber eine für uns akzeptable Möglichkeit zum Kampieren sehen wir nicht. Dafür haben wir von hier aus einen  Blick auf die Altstadt Casco Viejo, und dahinter die tolle Wolkenkratzer-Skyline des modernen Panamás. Danach geht´s gleich weiter zum grossen Fährhafen der Stadt - zum Puerto Balboa. Nach rund einer Stunde Sucherei finden wir schliesslich heraus, dass die Schiffe in den Süden Panamás von einem kleinen Hafen im Zentrum ablegen. Also nichts wie hin.

Am Weg dahin liegt allerdings der Stadttei El Cochillo, der als gefährlich gilt. Touristen sollen den unbedingt meiden. Wir halten uns also an die Hauptstrasse Avenida de los Martíres und das klappt ohne Probleme. Wir sehen allerdings schon, wie enorm heruntergekommen der Stadtteil hier ist. Kaputte Autos, leerstehende Geschäfte bzw. ganze Häuser, Müll auf der Strasse, schimmlige Häuserwände und die Häuserfronten sind hinter trocknender Wäsche vesteckt. Ich bin froh, nicht da durchradeln zu müssen.

Wir beziehen im Panamericana Hostel Quartier, ein Altbau-Haus (das habe ich seit Wien nich mehr gesehen) mit Dachterrasse mit tollem Blick auf Casco Viejo und die Wolkenkratzer im Hintergrund!

Die Altstadt war über Jahrezehnte vollkommen verwahrlost, 2002 ist es zum UNESCO Kulturerbe erklärt worden. Es gibt zwar nun immer noch komplett verschlimmelte Häuserruinen, aber die Anzahl der Baustellen ist beträglich. Auch die Strassen werden renoviert. Casco Viejo ist momentan "im Umbau". Ob es eine belebte Altstadt wird, oder eine "tote" und teure Museumstadt auf 5-Sterne-Niveau wird man sehen. Noch können wir dort in einer Kantine für 1 Dollar chinesische Nudeln oder Reis essen. Noch gibt es kleine Geschäfte. Ich bin gespannt, wie es dort in 10 Jahren aussehen wird.

Krass ist der Unterschied zu den anliegenden Stadtteilen - sofort ist alles komplett heruntergekommen, betrunkene Menschen schlafen am Gehsteig. Wir fühlen uns sehr unwohl.

Den Hafen für unser Schiff Richtung Kolumbien finden wir, und auch das Boot. Ansonsten kaufe ich mir einen neuen Computer (Betriebssystem in Spanisch). Wir besuchen den Finanzdistrikt, tauschen schon sicherheitshalber kolumbianische Pesos. Und lassen den einen oder anderen Abend oben auf "unserer" Terrasse ausklingen.

Natürlich besichtigen wir auch die erste der drei Schleusen des Panamá Kanals, die Miraflores Locks. Dahinter sehen wir eine der grössten Infrastruktur-Baustellen der Welt - die neuen Schleusen, die den Schiffsverkehr verdreifachen soll. Alles in allem sehr interessant.

Wir hatten bis zur Abfahrt unseres Schiffes nach Südpanamá ingesamt nur 4 Tage Zeit in Panamás Haupstadt. Aber die haben wir intensiv genützt. Nun geht´s mit den bepackten Rädern zum Hafen mit dem Endziel Buenaventura in Kolumbien! Aber das ist eine andere, lange Geschichte...

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