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in Vorbereitung: 3onTour!
Peru 2 - Die Mitte und Der Süden (KF)

  
Perú
25. März 2014

Peru 2 - Die Mitte und Der Süden (KF)

10960 km, Arica

Cajamarca - Cajabamba - Huamachuco - Trujillo - Huanchaco - Chao - Yuramarca - Huallanca - Caraz - Laguna Parón - Caraz - Huaraz - Pachacoto - Carpa - Huallanca - Tingo Chico - Huánuco - Cerro de Pasco - Junín - La Oroya - Jauja - Huancayo - Huanta - Ayacucho - Querobamba - Puquio - Nasca - Chala - Camaná - Quilca - Mollendo (via Kreuzung "48") - Ilo - Grenze Chile


Kurzfassung


Cajamarca markiert den Beginn eines Reiseabschnitts, der meinerseits von Demotivation und Lustlosigkeit geprägt ist. Die Fahrt nach Huamachuco ist ob der vielen Höhenmeter anstrengend und langsam, führt aber fast ausnahmslos durch besiedeltes Gebiet. Die Berge sind wolkenverhangen, jeden Tag regnet es. Wie frustrierend. Dort angekommen fühle ich mich kraftlos und etwas krank, ohne tatsächlich ein Symptom zu erkennen. Wegen einer Mischung aus körperlicher und geistiger Trägheit bleiben wir 5 Tage in der der Stadt. Erst dann raffe ich mich auf, weiterzuradeln. Bine entscheidet sich, auf den Bus umzusteigen.

Da die weitere Route durch die Berge ähnlich besiedelt aber extrem bergig weitergehen soll, wollen wir kurz hinunter zur Küste bei Trujillo, um dann bei der Cordillera Blanca wieder in hoffentlich toller Berglandschaft unterwegs zu sein. Einen letzten 4000er Pass gilt es für mich zu bezwingen. Ganz überraschend ist die Landschaft einsamer, das Wetter schön und das Altiplano mit Vicuña-Herden traumhaft. Auch die zahlreichen Minen und Tagabbaugebiete stören nicht. Als ich zu Mittag an einer Mine vorbeiradel, sehe ich die Minenarbeiter am Boden sitzen und ihr Almuerzo verzehren. Gelber Helm, Stirnlampe, schmutziges Gesicht und Kleidung. Und anscheinend nicht einmal einen anständigen Platz zum Essen. Sicher ein harter Job.

Ab zur Küste

Da ich alleine radel, nütze ich die Gelegenheit, einmal richtig Gas zu geben. Nach 1 ½ Tagen und über 200 Kilometern erreiche ich schon zu Mittag Huanchaco, einen kleinen Touristenort am Meer. Nur 15 Kilometer nördlich der berühmten Kolonialstadt Trujillo gelegen. Es ist endlich wieder einmal richtig warm, sonnig und der tiefblaue Pazifik inklusive Sandstrand sind wunderschön. Da gerade Weihnachtszeit ist, ist hier auch ziemlich was los. Nach all den leeren Gegenden und trostlosen Orten ist das für Bine und mich genau das richtige. Gleich am Nachmittag setzten wir uns zum Meer und trinken eine Menge "Trujillo" Biere (ja, in der praktischen 600 ml Flasche...), und sind beide ganz happy.

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Huanchaco (La Libertad, Peru, Dezember 2013)
Huanchaco (La Libertad, Peru, Dezember 2013)


Wir geniessen für viele Tage den Ort. Besuchen natürlich Trujillo und die sehr interessanten Ausgrabungen von Chan Chan. Plötzlich bekomme ich fast 40 Grad Fieber, und beim Centro de Salud bekomme ich Antibiotika verschrieben. Aber es dauert einige Tage, bis ich wieder gesund bin. Zu Neujahr wollen wir wieder Bines Eltern, Brigitte&Alfred, sehen, ausserdem kommt Bines Tante Inge und ihr Freund Roland ebenfalls nach Peru. An sich hatten wir natürlich vor, irgendwo aus den Bergen mit dem Bus nach Pisco, dem geplanten Treffpunkt einige hundert Kilometer südlich von Lima gelegen, zur Küste zu kommen. Wegen den diversen langen Aufenthalten und meiner Krankheit geht sich das nun nicht mehr aus. So nehmen wir einen Nachtbus von Trujillo nach Lima und dann weiter nach Pisco.

Das Wiedersehen mit Bines Eltern und Verwandten ist sehr schön. Wir feiern gemeinsam Silvester, fahren weiter nach Paracas. Lassen es uns gutgehen und geniessen das Meer, die Wärme und die Sonne. Und machen einige Unternehmungen. In Lima verabschieden wir uns alle wieder. Für Inge&Roland geht es wieder nach Deutschland. Brigitte&Alfred nehmen einen Bus von Lima nach Santiago de Chile, um dort ihre Radreise fortzusetzen. Und Bine und ich fahren wieder über Trujillo in "unser" Huanchaco, das wir richtiggehend liebgewonnen haben.

Nun geht´s aber auch für uns wieder los. Für 90 Kilometer radeln wir erstmals die peruanische Panamericana nach Süden. Dann biegen wir ein Stück hinter Chao nach links in eine Staubpiste ein. An sich eine Privatstrasse eines Wasserkraftwerks-Unternehmens, doch wir dürfen sie benutzen. So radeln wir durch absolut tote Wüstengegend stetig hinauf wieder den Anden entgehen. Mir taugts auch endlich wieder mal das Zelt aufzuschlagen.

Zurück in den Anden

Es geht durch tolle Canyonlandschaft auf kleinen Pisten. Auch durch den bekannten Cañon del Pato, der an manchen Stellen nur wenige Meter breit ist, und deren Strasse durch unzählige Tunnels führt. Toll!

Bei Cuaraz erreichen wir die Cordillera Blanca, die schon von weitem toll aussieht. Schneebedeckte 6000er, blauer Himmel. Einfach grandios. Wir entschliessen  uns, eine "Sackgasse" hinauf zur Laguna Parón zu radeln. 2000 Höhenmeter auf Schotterstrasse, und alles wieder retour. Aber wir bereuen keinen einzigen Meter. Wir haben tolles Wetter, und je höher wir hinaufkommen, desto enger rücken die zahlreichen 6000er Berge zur kleinen Piste. In der ersten Nacht am Weg hinauf finden wir in dem steilen Gebiet keinen Platz für unser Zelt. So kampieren wir in einer Aussenkurve. Es fängt zu regnen an, und beim Aufstellen bricht uns eine Zeltstange. Naja, aber immerhin kommt kein einziges Fahrzeug vorbei. Der nächste Tag ist wolkenlos, und sicher ein Highlight dieser Reise. Eine unglaubliche Bergkulisse tut sich oben am See auf, der tatsächlich von lauter 6000er Bergen umgeben ist. Wir können kostenlos beim Ranger übernachten. Auch die Nacht ist sternenklar. Wahnsinn!

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Huandoy (6.395 m) - Laguna Parón (Ancash, Peru, Jänner 2013)
Huandoy (6.395 m) - Laguna Parón (Ancash, Peru, Jänner 2013)


Weiter geht´s entlang der Cordillera Blanca nach Süden. Der Fahrzeugverkehr nimmt zwar nun zu, aber die Aussichten auf die Bergwelt machen das mehr als wett. Ganz im Süden verlassen wir die Hauptstrasse um den Parque Nacional Huarascan zu durchradeln. Auf einer kleinen Schotterstrasse geht`s Meter für Meter hinauf. Zuerst tolle Altiplanolandschaft. Wir sehen auch die berühmten, riesigen Kakteen - Puyas Raymondi - die nur in ganz wenigen Gegenden und nur in ganz bestimmten Höhen wachsen können und bis zu 10 Meter hoch werden können. Danach wird die Landschaft "alpin", zahlreiche schroffe Berge umgeben uns, und nun sehen wir für 1 ½ Tage kein einziges Fahrzeug.

Es geht immer wieder hinauf, und da unsere Streckeninformationen mangelhaft sind, unterschätzen wir die Distanzen. Endlich erreichen wir den wohl höchsten Pass der Strecke (4.800 Meter). Es fängt zu schneien an. Wir schauen, dass wir hinunterkommen. Nach langem, eiskalten "Hinunterbremsen" erreichen wir die Hauptstrasse, die wir vor 2 Tagen verlassen haben und die um die Bergkette herum verläuft. Ein tolles Erlebnis geht zu Ende.

Der weitere Streckenverlauf ist wieder etwas "zivilisierter", aber uns gefällt es sehr gut. Wir treffen einen Radler, der vor 2 Tagen auf unserer kommenden Strecke überfallen wurde. Auch später erfahren wir, dass auf diesem Abschnitt - etwas éinsamer und durch Waldgebiete führend - Kriminelle des öfteren Überfälle verüben. Glücklicherweise treffen wir 2 amerikanische Radler, mit denen wir für einige Stunden gemeinsam durch das "Überfallsgebiet" radeln. Das hätten wir geschafft.

Wir erreichen glücklich Huánuco. Und da dies wieder ziemlich tief liegt, heisst es nun wieder einmal - wie so oft in Peru - kräftig in die Pedale zu treten und hinaufzuradeln. Cerro de Pasco rühmt sich, die angeblich höchstgelegene Stadt der Welt zu sein (4.300 Meter). Auf jeden Fall aber ist sie die hässlichste! Grau in grau, die ganze Stadt ist von wilden Hunden bevölkert, schlammige Strassen führen durch die Häuserblocks und es ist saukalt. Danach radeln wir aber über herrliches Altiplano weiter Richtung Süden nach Huancayo. Auf dem Weg dorthin geht`s durch tolle, schmale Täler, einsames Hochland mit zahlreichen Vicuña-Herden und Bergbaugebiete.

Uli auf Solo-Tour

Huancayo ist eine typische, peruanische Stadt, mit allem aber auch mit nichts. Auf jeden Fall aber zum Ausruhen und gut Essen. Ähnlich wie zu Beginn dieses Berichts, schaffe ich es nicht, mich aufzuraffen weiterzuradeln. Ich programmiere viel auf meinem kleinen Notebook, das macht Spass. Anscheinend brauche ich diese Abwechslung. Bine will nun für längere Zeit nicht Radfahren, und wir wollen uns erst ganz im Süden von Peru wiedersehen.

Für mich bedeutet das, erstmals für einige Wochen alleine unterwegs zu sein. Die Strecke in den Bergen, so wie eigentlich überall in der Sierra von Peru, ist nicht leicht. Und geprägt von grossen Höhenunterschieden auf teilweise schlechten Strassen. Den Treffpunkt - sogar ob dieser in den Bergen oder an der Küste liegen soll - lassen wir einmal offen.

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Viel Regen in den Bergen - am Weg nach Ayacucho (Huancavelica, Peru, Februar 2014)
Viel Regen in den Bergen - am Weg nach Ayacucho (Huancavelica, Peru, Februar 2014)


In den ersten Tagen komme ich ganz gut voran. Ich sitze natürlich viel am Rad und abends stelle ich irgendwo das Zelt auf. Nicht unbedingt leicht, ist Peru doch nie wirklich einsam. Nach einem ersten Pass radel ich in einem sehr schönen Tal den Rio Mantaro entlang. Spätestens nachmittags zieht es zu. Regen und Gewitter folgen. Manchmal erst in der Nacht. An einer Stelle ist die Strasse für rund 1 Kilometer weggerissen, der ganze Hang ist abgerutscht. Unten staut sich der Fluss, und eine Kolonne von Fahrzeugen wartet auf die Öffnung der provisorischen Einbahnstrasse. Ich habe Glück und kann sofort passieren.

Am Weg nach Huanta wandelt sich die Asfaltstrasse in eine Strasse "under construction" mit hässlichem Schotter, viel Staub und Wartezeiten bei den Baustellen. Die Stadt Ayacucho lasse ich mehr oder weniger links liegen und radeln an diesem Nachmittag gleich weiter in die Berge hinein. Kolonialstädte habe ich schon einige gesehen, und ich fühle mich in einer "Ausnahmesituation". Ich will endlich wieder ordentlich radeln, den Tag ausnützen, und abends kampieren. Hotels und in Städten herumhängen hatte ich oft (zu oft) auf dieser Tour.

Am nächsten Tag verlasse ich die Hauptstrasse Richtung Cusco und biege rechts ab in Richtung Puquio. Ich ahne nicht, dass ein harter Abschnitt vor mir liegt. Zum einen führt der Grossteil der Strecke über Schotterpiste, zahlreiche Abfahrten und Auffahrten mit jeweils 1500-2000 Metern Höhenunterschied. Weiters ist es nie wirklich einsam. Und das Wetter in der Regenzeit setzt mir ebenfalls zu. Nach Regen versinke ich im Gatsch, und mir ist saukalt.

Nach einigem Auf und Ab geniesse ich eine Abfahrt hinunter nach Cangallo. Das Wetter ist ausnehmend sonnig und warm. Ich finde ein nettes Hostal in dem sonst ausgestorben wirkenden Ort. Und trinke ein kühles Bier am Plaza de Armas. Am nächsten Tag geht`s für 27 Kilometer nur hinauf, und dann auf Schotterpiste - hoch oben über dem Tal - auf und ab den Berghang entlang. Die Orte sind sehr klein, und bieten manchmal nicht einmal etwas zum Essen.

Ein paar Kilometer vor Canaria schlage ich abends wieder mein Zelt auf. Extrem mühsam schleppe ich das Gepäck und mein Rad einzeln einen steilen Hang hinauf, um das ganze dann noch über einen Zaun zu hieven. Das ganze dauert 20 Minuten, und zum Schluss bin ich komplett fertig. In der Nacht gehen heftige Gewitter nieder, inklusive Blitzen und Sturm. Abgesehen davon merke ich, dass ich Fieber bekomme. Morgens ist alles rundherum in dichten Nebel gehüllt, es nieselt immer noch. Ich fühl mich fiebrig und richtig schlecht. Aber ich muss weg von hier. Nun ist der steile Hang hinunter zur Strasse eine schlammige und extrem glitschige Angelegenheit. Ein Wunder, dass ich in meinem Zustand nicht stürze. Nach einer dreiviertel Stunde ist alles unten. Die Strasse hat sich in eine Schlammpiste verwandelt. Ich bin komplett fertig. Für die 7 Kilometer, die fast nur bergab führen, brauche ich 2 Stunden. Zum Glück gibt es ein einfaches Hostal, und nachmittags liege ich in einem dunklen, kalten Zimmer. 40 Grad zeigt das Fieberthermometer an.

Doch morgens geht es besser, und nachmittags bin ich so weit genesen, dass ich mich für die Weiterfahrt vorbereiten kann. Diese führt mich am nächsten Tag 1000 Meter hinunter und dann 1500 Meter hinauf. Kein leichte "Einfahretappe" nach der Krankheit. Den meisten Teil hinauf schiebe ich.
Nach einer Woche ab Ayacucho nähere ich mich Puquio und der Hauptstrasse von der Küste nach Cusco. Ich komme nochmals auf 4.500 Meter hinauf. Ein tolles Altiplano, tolle Berge bei tollem Wetter. Ich sehe sogar rosa Flamingos in den kleinen Lagunen. Toll! Doch es zieht bereits wieder zu, als ich die Abfahrt nach Puquio beginne. Heftiger Regen geht nieder, und der dichte Nebel erlaubt eine Sichtweite von nur 10 Metern! Ich friere erbärmlich. Und des öfteren geht es auch wieder rauf. Ich bin vollkommen frustriert.
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Bescheidenes Wetter, keine Sicht,  saukalt- Abfahrt nach Puquio (Ayacucho, Peru, Februar 2014)
Bescheidenes Wetter, keine Sicht, saukalt- Abfahrt nach Puquio (Ayacucho, Peru, Februar 2014)


Auch Puquio ist in dichtem Nebel verborgen. Alles ist geschlossen. Saukalt. Deprimiert nehme ich ein kaltes Zimmer, suche etwas zu Essen. In solchen Situationen wäre es mit Bine viel einfacher. So fühle ich mich richtig alleine. Das "grosse Ziel" Puquio habe ich mir definitiv anders vorgestellt.

Die Weiterfahrt hat sich schon vor einigen Tagen "von selbst entschieden". Ich hab das Sauwetter, das wolkenverhangene, bewohnte Bergland satt. Ab zur Küste, ab ins Warme! Vorerst gehts wieder mal einen Pass hinauf. Dann langsam abwärts. Das tolle Altiplano ist bald nicht mehr zu sehen. Dichter Nebel und saukalt. Gut, das kenne ich ja schon. So radel ich stundenlang hinunter. Und plötzlich - der Nebel ist weg. Und unter mir tut sich die trockene Steinwüste der Küste auf. Es ist gleich wärmer. Und meine Laune ist wieder in Ordnung. Die karstige Landschaft zeugt von heftigen Regenfällen, die die Täler auswaschen. Da will ich nicht kampieren. So radel ich bis Nasca, komme erst im Dunkeln an. Und habe mit 165 Kilometer an einem Tag meinen eigenen Rekord gebrochen.

Müde aber zufrieden geniesse ich das warme Wetter. Die lebhaften Leute der Küste. Das gute Essen. Und habe einen guten Schlaf. Der nächste Tag ist mein erster Ruhetag. Und muss 5 gebrochene Speichen auswechseln lassen. Trockne das ganze nasse Zeug. Und erhole mich.

Zurück zur Bine - the hard way

Bine hat sich in Ilo, ganz im Süden an der Küste von Peru "niedergelassen" und wartet dort auf mich. Ich radle also die Panamerican hinunter nach Chile. Klingt nach einem schnellen und angenehemen Abschluss meiner Solo-Tour ehe ich endlich wieder mit Bine zusammen bin. Naja, weit gefehlt.

Von Nasca geht es noch rund 600 Höhenmeter hinunter zur Küste. Aber schon um 8 Uhr ist der Gegenwind so stark, dass ich nur mehr mit 8 km/h (!) vorankomme. Endlos lange Strasse, sanfte Hügel hinauf und hinunter. Und ich krieche dahin. Am frühen Nachmittag erreiche ich eine Kreuzung mit ein paar Lokalen. Der ganze Ort ist in Sand eingehüllt. Heftiger Wind blast Sand von Süden nach Norden. Ich warte ab, und hoffe, dass sich der Wind am Abend legt. Die Autofahrer, die hier gut gelaunt anhalten, haben keine Ahnung von dem heftigem Wind und meiner Situation. Auch jetzt fühle ich mich sehr alleine.

Vor Sonnenuntergang radel ich trotzdem los. Mit Gesichtsschutz, um den Sand aus meinem Gesicht fernzuhalten. Als es dunkel wird, suche ich nach einem windgeschützten Platz. Doch den gibt es nicht. An Zeltaufstellen und Kochen ist nicht zu denken. So harre ich im Sitzen aus, und lege mich später auf meine Matte. Wie ich so jemals nach Ilo kommen soll, ist mir ein Rätsel. Deprimiert und hungrig schlafe ich für ein paar Stunden.

Als ich aufwache, ist es windstill. Noch im Dunkeln, mit Fahrradlicht und Stirnlampe ausgerüstet, sitze ich am Rad und "rase" mit 15-20 km/h gen Süden. Bevor der Wind wieder einsetzt, will ich so weit wie möglich kommen. Ausserdem will ich jeweils einen Ort zum Schlafen erreichen, um mich erholen zu können und dann sehr früh loszuradeln. Es wird zwar windig, aber bei weitem nicht so stark. Zufrieden erreiche ich schon zu Mittag Chala, und bleibe dort. Ich habe wieder Hoffnung und ein Ziel vor Augen.

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Ein letzter, toller Kampierplatz vor Ilo (Moquegua, Peru, März 2014)
Ein letzter, toller Kampierplatz vor Ilo (Moquegua, Peru, März 2014)


Und so komme ich ganz gut voran: noch bei Dunkelheit bin ich mit meinem Fahrrad auf der Panamericana. Meist zu Mittag oder Nachmittag erreiche ich den nächsten Ort, der so 80 bis 100 Kilometer entfernt liegt. Dann nehme ich ein Hostal und erhole mich. Ich habe zwar auf Kampieren unter Sternenhimmel am Meer gehofft, aber das geht nunmal nicht. Die Landschaft ist nicht so eintönig und fad, wie sie oft beschrieben ist. Manchmal ist die Panamericana eine tolle Küstenstrasse, dann wieder hoch oben über dem Pazifik. Sehr trockene Wüsten- und Berglandschaft.

So geht´s über Chala, Atico nach Ocoña nach Süden. Ich plane, direkt an der Küste zu bleiben (die Panamerican entfernt sich vom Pazifik) und über Quilca nach Ilo zu gelangen. Mehrmals erkunde ich mich nach dieser Strasse, und erhalte nur positive Antworten. So radel ich die einsame Strasse nach Quilca. Hostal gibt es keines, aber die vielen Strassenarbeiter, die die Strasse gerade komplett ausbauen, schlafen hier. So finde ich auch eine Kajüte für mich. Am nächsten Tag radel ich noch ein paar Kilometer - und dann die grosse Ernüchterung: die Strasse ist wegen kompletten Neubau gesperrt. Da hilft kein Reden, Argumentieren und Bitten. Da geht´s nicht weiter. Nicht einmal die Strassenarbeiter, mit denen ich abends geredet habe, und denen ich natürlich meine Pläne mitgeteilt habe, hatten irgendwelche Bedenken geäussert. Ich bin sehr enttäuscht.

Es ist Sonntag. Ich radel die ganze Strecke des Vortages zurück, da sich auf der einsamen Strasse keine Mitfahrgelegenheit anbietet. Mittags bin ich wieder auf der Panamericana. Diese führt nun wieder 2000 Meter hinauf in die Wüste, um dann nach einiger Zeit wieder hinunter zur Küste zu führen. Für mich bedeutet das mindestens 3 Tage Umweg in der Wüste. Auf das habe ich überhaupt keine Lust mehr. So nehme ich für 1 ½ Stunden einen Bus, den ich kurz vor Arequipa verlasse, um dann wieder mit eigener Kraft gen Küste zu radeln.

Als ich in der Einsamkeit so vor mich hinradel, sehe ich plötzlich im rechten Augenwinkel ein dunkles Etwas auf mich zurennen. Ein riesiger, extrem aggresiver Hund, der sich auch nicht mit meiner Schreierei oder Steinen einschüchtern lässt. Er bellt wie verrückt und versucht, mein Fahrrad zu umlaufen, um mich auf der ungeschützten Seite anzugreifen. Er pinkelt sich selber an, ich habe ein extrem ungutes Gefühl. Von weiterher kommen dann 3 Männer, die versuchen, ihren Hund von mir zu verjagen, aber das dauert. Endlich bin ich wieder alleine. Was für eine Erleichterung!

Die letzte Nacht. Toller Sternenhimmel. Der Mond scheint über dem Pazifik. Im Süden sehe ich schon die Lichter von Ilo. Wo meine Bine auf mich wartet!

Bine und der Ausklang von Peru

Am nächsten Tag bin ich voller Vorfreude. Der heftige Gegenwind macht mir dann auch nichts mehr aus. Nach 3 Wochen, 1.700 Kilometern und 20.000 Höhenmeter nehme ich Bine endlich wieder in den Arm. Wie schön!

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Bine&Uli zusammen in Ilo (Moquegua, Peru, März 2014)
Bine&Uli zusammen in Ilo (Moquegua, Peru, März 2014)


In Ilo verbringen Bine und ich eine tolle Zeit. Das Essen, vor allem Fisch und Ceviche. Das Trinken, vor allem Cristal in der prakrischen 600 ml Flasche. Am Abend beim Hafen sitzen. Die Sonne und das warme Wetter geniessen. Und nach so langer Zeit getrennt, haben wir natürlich sehr viel zu erzählen und zu reden. Eine schöne Zeit.

Nun heissts aber bald Abschied nehmen von Peru. Es geht die einsame Küstenstrasse weiter nach Süden. Und zum Schluss über Staubpiste wieder zur Panamericana. Nun sehe ich beim Radeln Bine wieder im Rückspiegel. In der letzten Nacht vor der Grenze schlafen wir ohne Zelt unter einem Meer von Sternen direkt am Pazifik. Ein schöner Abschluss von über 4 Monaten in Peru.

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