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in Vorbereitung: 3onTour!
Aserbaidschan (Uli)

  
Aserbaidschan
6. Juli 2008

Aserbaidschan (Uli)

16.6.2008 - 4.7.2008

4496 km, Aktau (KZ)

Balakan - Zaqatala - Seki - Agdas - Goecay - Samaxi - Baku

Alles easy

Diesmal sind wir an der Grenze zwischen Georgien und Aserbaidschan - im Norden an der russische Grenze - ziemlich entspannt. Was soll denn passieren?! Wir haben das Visum in Tiflis besorgt, wir benutzen nur einen Pass, und wir haben den georgischen Einreisestempel. Viel ist nicht los, die paar Autos, die warten stehen allerdings in einer Kolonne und nichts geht weiter. Wir als auslaendischen Radler geniessen anscheinend einen Sonderstatus, denn wir werden auf der georgische Seite vorgewunken, Ausreisestempel. Fertig. Dann ueberqueren wir eine Bruecke, und auf der anderen Seite eine aehnliches Bild. Ein paar Wartenden und wir werden nach vor gewinkt. Einreisestempel, kurze Zollformalitaet. Fertig. Willkommen im fuenften Land der Tour, willkommen in Aserbaidschan!

Ins Unbekannte

Es ist wohl fuer viele, so auch fuer mich, wohl das unbekannteste Land Europas. Ich habe nur vage Vorstellungen davon. Ich weiss, dass es muslimisch gepraegt ist, und ich weiss, dass das Land, vor allem die Hauptstadt Baku, seit einiger Zeit einen richtigen Oelboom erlebt.
Aserbaidschan Aserbaidschan
Willkommen in Aserbaidschan! (AZ, Juli 2008)
Willkommen in Aserbaidschan! (AZ, Juli 2008)
Waehrend der ersten Kilometer merken Bine und ich, dass hier das "richtige" Asien begonnen hat. Sowohl die Autofahrer, als auch viele Fussgaenger gruessen uns. Das Heben der Hand zum Gruss wird schnell zur Routine. "Salaam!" toent es von ueberall. Wir fuehlen uns gleich wohl. Landschaftlich aendert sich noch nicht viel. Wir radeln am suedlichen Rand des Kaukakus, die Steigung und Gefaelle sind langegezogen aber flach. Leider sehen wir nicht allzuviel von den Bergen, meist sind sie in Wolken eingehuellt. In der ersten Stadt Balakan tauschen wir am Basar Dollar gegen Manat, die neue Waehrung Aserbaidschans. Allerdings wird vielerorts noch in der alten Waehrung gerechnet, das uns am Anfang ziemlich verwirrt. Das angenehme: es gibt wieder lateinische Schrift, erstmals wieder seit der Slowakei. Und ausserdem ist die Sprache sehr mit der tuerkischen verwandt, wir koennen also viel von unserem "erlernten" Tuerkisch von unsere vorigen Tour anwenden. Uebernachtungsmaessig ist auch alles sehr leicht. Am ersten Abend fragen einen Besitzer eines Lokals, ob wir seinen Garten benutzen duerfen, und bekommen gleich einen kleinen Raum zugewiesen.

Berge und Wueste

Am naechsten Tag lesen wir in unserem Reisefuehrer, dass man in Seki, eine Stadt, die 20 Kilometer noerdlich unserer Route liegt, wunderbar in einer zu einem Hotel umfunktionierten Karawanserai uebernachten kann, und dass der dortige Khan Palast sehr sehenswert ist. So entschliessen wir uns kurzfristig, diese fuer uns "Einbahnstrasse" in die Berge zu nehmen, und pedalen rund 500 Hoehenmeter hinauf. Als wir verschwitzt dort ankommen, erfahren wir leider dass das Hotel ausgebucht ist. So besuchen wir den wunderschoenen, neu renovierten Khan Palast. Und radlen wieder Richtung Hauptstrasse. Der Umweg war trotzdem nicht umsonst. Nun beginnt sich die Landschaft zu aendern, es wird um einiges trockener, und es erinnert uns sehr stark an das spaetsommerliche anatolische Hochland. Die Temperaturen haben es auch schon in sich, und wir trinken viele Liter am Tag. Anfangs ist es noch ziemlich flach, und ploetzlich biegt sich die Strasse um 90 Grad in die Berge hinein. 13 Kilometer klettern wir nun in Serpentinen den Berg hinauf. Bei einer laengeren Siesta am Nachmittag haben wir einen tollen Ausblick auf das Tiefland und die unteren Berghaenge. Abends finden wir, schon bei Daemmerung, Platz im Garten einer netten Familie. Nach 110 Kilometer sind wir muede aber zufrieden. Nun wird es immer wuestenhafter, und die Sonne brennt schon ganz ordentlich herunter. Es bleibt extrem huegelig und wir machen weiterhin viele Hoehenmeter. Der Verkehr Richtung Baku ist schon ziemlich dicht. Oben auf einem Huegel werden ploetzlich Wassermelonen verkauft. Noch ehe wir eine kaufen wollen, wird schon eine fuer uns aufgeschnitten und gereicht. Wir geniessen die saftige Fruch in vollen Zuegen. Die Gastfreundschaft ueberwaeltigt uns immer auf neue. Die letzte Nacht vor Baku verbringen wir noch "oben" in den Huegeln. Wir beide sehen erstmals im Leben das Kaspische Meer am Horizont, davor zahlreiche Schornsteine und Industrieanlagen. Relikte aus Zeiten, wo Aserbaidschan noch Teil der Sowjetunion war. Morgens eine Ueberraschung: da es in der Nacht geregnet hat, hat sich das sandige Terrain rund um unser Zelt in extrem zaehen Schlamm verwandelt. Nach 2 Schritten blieb eine 10 Zentimeter dicke Gatschschicht auf unseren Fuessen kleben. So "ebneten" wir einen Weg zur Strasse und trugen alle Gepaeckstuecke und Raeder einzeln zur Strasse. Eine nette Aufwaerm-Uebung fuer den Tag.

Rein nach Baku

Die Einfahrt nach Baku war dann so haesslich wie erwartet, und es hat einige Zeit - 50 Kilometer - gedauert, bis wir wirklich das Zentrum erreicht haben. Es ist eine riesige Stadt, eine Stadt die boomt. Ueberall wird gebaut, es gibt 5 Sterne Hotels, teure Autos, teilweise westliches Aussehen und - westliche Preise. Bei der Hotelsuche treffen wir dann die ersten Radler auf unser Tour, nach 3 1/2 Monaten on the Road. Es sind Bettina und Stephan aus Deutschland, die nun ein Jahr Asien hinter sich haben, und nun auf dem Nachhauseweg sind. Wir essen in einem Park zu Mittag, und haben uns natuerlich viel zu erzaehlen. Sie sind gestern mit der Faehre von Kasachstan gekommen, und wollen ihre Tour in Georgien ausklingen lassen. So hatten wir nicht viel Zeit zum plaudern, denn sie wollten heute noch aus Baku raus. So fanden wir dann einen Hotel zu einem akzeptablen Preis, und erforschten in den naechsten Tag das quirlige, belebte Baku. Die Altstadt ist sehr sehenswert, mit kleinen Gassen und dem Shirvan Palast, der mir besonders gut gefaellt. Die kleine Altstadt steht ganz im Gegensatz zur lauten, neuen City, mit breiten Strassen und grossen Parks. Der Name "Schwarzes Meer" wuerde viel eher zum Kaspischen Meer passen, den zu keiner Tageszeit leuchtet es nur annaeheren blau, es ist immer grau-braun und dreckig. Ganz im Gegensatz zum tuerkisblauen, echten Schwarzen Meer, wie wir es in der Ukraine und Russland erleben durften.

Das leidige Problem - Visa

Zwei Besuche bei der iranischen Botschaft zeigen uns: das wird verdammt schwer werden. Alleine in das Botschaftgebaeude hineinzukommen dauert sehr lange. Arrogantes, herablassendes Botschaftspersonal, und eine benoetigte Registrierung oder Einladung, die wir angeblich brauchen. Wenn ueberhaupt, dauert es wahrscheinlich Wochen, das iranische Visum zu bekommen. Keine Rede vom turkmenischen und usbekischen. So entscheiden wir uns - inspiriert durch die deutschen Radler Bettina und Stephan - anders. Wir besorgen nur das usbekische Visum, und wollen mit der Faehre nach Aktau in Kasachstan. Denn wir haben noch aus Wien ein gueltiges, kasachisches Visum. Danach soll es, wie eigentlich urspruenglich geplant nach Usbekistan, und dann weiter Richtung China gehen. Obwohl wir nicht waehrend den Oeffnungszeiten bei der usbekischen Botschaft erscheinen, empfaengt uns der Konsul persoenlich, reicht uns die Antragsformulare und hilft uns beim Ausfuellen. Obwohl wir keine Einladung (LOI - Letter of Invitation) haben, bekommen wir das Visum nach 3 Tagen. Wir sind ganz hin und weg von so einer Freundlichkeit.

Die Odyssee

Nun heisst es nur mehr, Faehrticket kaufen und weg. Aber so leicht geht das nicht. Wir sind schliesslich in Aserbaidschan. Die Fähre von Baku nach Aktau in Kasachstan ist ein Abenteuer für sich. Das wussten wir schon von anderen Berichten. Vor allem die korrupten, willkürlich festgelegten Preise und die unregelmäßigen, unberechenbaren Fahrtermine können die ganze Sache sehr unangenehm machen. So begeben wir uns, gleich nachdem wir das usbekische Visum abgeholt haben, zum Hafen. Es stellt sich heraus, dass das grosse, offizielle Hafengebäude natürlich nicht die richtige Adresse ist. Zum Ticketbüro und der Anlegestelle gelangt man über einen kaputten, mit Wasserlacken bedeckten Weg. Wir hören dann fast erwartungsgemäss, dass wir morgen wieder vorbeischauen sollen. Ob die Fähre geht oder nicht, wissen sie nicht. Und der Fahrpreis für uns betrage 100 Euro - später auf der Fähre erfahren den wahren Preis: 15 Euro. Aber es ist hier ein Monopol, wir haben keine Wahl, und das wissen diese Schweine. Als wir uns ein wenig im dreckigen, abgefakkten Hafengelände umschauen, entdecken wir ein paar wartende LKWs aus Georgien und Kasachstan. Die sehr netten LKW Fahrer teilen das gleiche Schicksal wie wir, auch sie sind zum Warten verdammt, und auch sie zahlen unverschämte Preise. Der Unterschied: sie machen das mehrmals im Monat durch. Sie meinen, es würde noch einige Tage dauern, bis die Fähre ablegen würde.
Aserbaidschan Aserbaidschan
Langes Warten während das Schiff beladen wird - Fähre Baku-Aktau (AZ, Juli 2008)
Langes Warten während das Schiff beladen wird - Fähre Baku-Aktau (AZ, Juli 2008)
So besuchen wir in den nächsten Tag 2 mal täglich den Hafen um zu erfahren, wann denn nun die Fähre gehen würde. Immer werden wir auf den nächsten Tag vertröstet. am 4. Tag eine Frohbotschaft: morgen Früh würde sie ablegen. So erscheinen wir am nächsten Tag um 7 Uhr morgens mit unseren bepackten Reiseräder am Hafen, kaufen die Tickets und schleichen uns mit den Rädern am Ticketbüro vorbei. Wir haben nämlich nichts über unsere Räder erwähnt, denn mit Handkuss würden sie uns wieder horrende Summen dafür abknöpfen. Weiter vorne im Gelände treffen wir natürlich wieder auf die LKW-Fahrer-Gang, die uns freundlich begrüssen, und auf vier polnische Motorradfahrer und auf Philippe aus Frankreich, der mit einem Toyota Landcruiser unterwegs ist. Wir alle ahnen noch nicht, dass wir die nächsten 4 Tage auf Gedeih und Verderb zusammen verbringen werden. Wir trinken Tee mit den LKW-Fahrern, quatschen mit den anderen Reisende. Nach 8 Stunden Warterei geht endlich etwas weiter, wir dürfen durch den Zoll. Die Räder schieben wir dann aufs Schiff, ohne etwas zu bezahlen. Kein Problem. Die Fähre ist dann um einiges grösser und komfortabler, als wir es erwartet haben. Mit eigenen Kabinen und sogar Dusche. Das Vorgängerschiff, das vor einiger Zeit auf dieser Strecke untergegangen ist, war da angeblich noch anderer Tobak. Wir machen es uns zusammen mit der Touristengang gemütlich, und nach weiteren 5 Stunden am Schiff - mittlerweile ist es schon 22 Uhr - legt der grosse Kahn endlich ab. Die beleuchtet Skyline von Baku verschwindet langsam am Horizont. Auf nach Kasachstan!
Aserbaidschan Aserbaidschan
Endlich geht's los - Blick zurück auf die nächtliche Skyline von Baku (AZ, Juli 2008)
Endlich geht's los - Blick zurück auf die nächtliche Skyline von Baku (AZ, Juli 2008)
Dass wir nach einer 24 Stunden Fährüberfahrt nochmals 24 Stunden vor dem Hafen von Aktau vor Anker gehen müssen, und dass wir danach nochmals 2 Tage am Hafen von Aktau kampieren müssen, weil der Zoll auf Urlaub ist, ist eine andere - eine kasachische - Geschichte...
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