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in Vorbereitung: 3onTour!
KAMBODSCHA – Laos nach Thailand (Uli)

  
Thailand
12. Mai 2009

KAMBODSCHA – Laos nach Thailand (Uli)

10.4.2009 – 9.5.2009

17233 km, Bangkok (TH)

laotische Grenze- Stung Treng- Kratie- Chhlong- Stong Trong- Spoe Tbong- Kampong Thnor- Kampong Thom- Tbeng Mean Chey- Koh Ker- Beng Mealea- Seam Riep- Sisophon- thailändische Grenze (963 Kilometer; 2.806 Höhenmeter)

Die Grenze zwischen Laos und Kambodscha liegt ziemlich abgelegen ganz im Südzipfel von Laos, nahe des Mekong. Auf beiden Landesseiten ist die Strasse nun asfaltiert, Ortschaften gibt es in der Nähe überhaupt nicht. So ist es ein kleiner, verschlafener Übergang. Seit einige Zeit ist es auch für Touristen erlaubt, diesen Übergang zu passieren – inklusive Visa-On-Arrival in Kambodscha! Abgesehen von 1 US-Dollar „Ausreisegebühr“ in Laos und 1 US-Dollar „Stempelgebühr“ in Kambodscha gibt es nicht viel aufregendes zu berichten. Willkommen in Kambodscha!
Kambodscha Kambodscha
Auf neuem Asfalt radeln Bine und ich rasch durch die Hitze. Viel zu sehen gibt es auch nicht auf den ersten Kilometern. Wir rasten im Schatten eines auf Stelzen erbauten Hauses. Unterhalb des Hauses ist hinten eine Schultafel aufgestellt, davor in Reih und Glied niedrige Tische und noch niedrigere Stühle. Eine Schule bestehend aus einem Klassen“zimmer“, inklusive anliegendem Tümpel mit Wasserbüffel für Real-Biologie-Unterricht!

Mit Krämpfen fängt es an

Beim Weiterradeln beginne ich meine Muskeln zu spüren, mit der Tendenz zu Krämpfen. 7 Kilometer vor unserem Tagesziel machen wir noch eine Pause. Trinken noch Cola und Red Bull. Nach einiger Zeit bessern sich meine Beinmuskeln, und wir wollen noch die letzten Kilometer in Angriff nehmen. Die Strecke ist an sich vollkommen flach, nur ganz leicht geht die Asfaltstrasse manchmal hinauf oder hinunter. Doch ich muss anhalten, plötzlich verkrampfen sich meine Waden, dann meine Oberschenkel. Nach einiger Zeit radl ich weiter. Bei der kleinsten Anstrengung wieder Krämpfe. Einen Kilometer vor Stung Treng müssen wir noch eine Brücke über den Sekong überqueren. Die macht mich vollkommen fertig. Nun geht alles sehr schnell. Einige Hundert Meter vor dem Ort schiebe ich mein Rad noch weg von der Strasse. Mir ist schwindlig. Bine will einen Lift in die Stadt organisieren, doch ich bin nicht bereit dafür. Absolut fertig, mein Kreislauf am Sand. So rollt Bine vor, und sucht nach einem AC-Hotel für uns. Gleich danach wird mir schlecht, und ich lege mich ins Gras. Mein Herz rast, und ich beginne tief zu atmen. Plötzlich beginnen sich meine Unterarme und Hände vollkommen zu verkrampfen. Die Finger ziehen sich zusammen, es schmerzt. Ich rufe nach Hilfe, aber ich bringe kaum einen Laut hervor. Auch mein Gesicht hat sich verkrampft. Ich bin nahe der Ohnmacht, mir ist übel und meine Händen schmerzen von den Krämpfen. Einige Leute bemerken mich, aber sie tun nichts! Ich selbst kann mich nicht bewegen, vollkommen hilflos.
Kambodscha Kambodscha
Nach einiger Zeit legt sich die Atemnot und die Hände lockern sich ein wenig. Doch nun beginnen sich meine Beine aufs brutalste zu verkrampfen. Die Waden, die Oberschenkel auf der Ober- und Untertseite. Sogar die Fusssohlen. Schmerzen! Gelingt es mir, ein verkrampftes Bein abzubiegen, löst dies weitere Krämpfe aus! Ein Kambodschaner, der Englisch spricht, hilft mir nun. Er massiert meine Beine. Ich versuche ihm zu zeigen, wo es am meisten weh tut und was er machen soll. Dann wieder ein Anfall von Übelkeit, verkrampften Händen und schnellem Atem. Wo bleibt denn Bine?! Nach so 30-40 Minuten liege ich erstmals ruhig am Boden, ohne Krämpfe. In den wenigen Momenten, in denen ich die Auge öffne, sehe ich nun zahlreiche Menschen um mich herumstehen. Tatenlos und gut aufgelegt. Brutal. Insekten an meinen Füssen lösen dann wieder zahlreiche Krämpfe aus. Ein, zwei Menschen helfen mir, die Beinkrämpfe in den Griff zu bekommen. Bine ist zurück! Was für ein Glück, sie kann natürlich viel besser helfen. Sie organisiert einen Jeep, die Räder werden verladen. Bine und einge Helfer versuchen mich auf den Vordersitz des Jeeps zu bringen. Doch alles verkrampft sich, und mir wird wieder übel. Ich krieche zurück auf den Boden, und bekommen wieder einen Anfall, in denen sich meine Hände vollkommen verkrampfen. Bine bekommt es mit der Angst zu tun. Nach 20 Minuten hat sich mein Körper wieder stabilisiert. Einen zweiter Versuch, mich in den Wagen zu bringen, endet genauso wie der erste. Anfall. Ich bin nicht transportfähig.

Ab ins Spital

So lässt Bine einen Rettungswagen kommen. Auf der Bahre geht es mit den Krämpfen, und eine halbe Stunde später bin ich im „Government Hospital“ von Stung Treng. Aber es gibt keinen Arzt vor Ort, und wir müssen warten. Mir geht es einfach dreckig. Ich schwitze am ganzen Körper, andauernd Krämpfe um die sich Bine kümmert, Übelkeit und Kreislaufprobleme. Keiner scheint zu helfen. Dann erbreche ich, und da es keine Kübel oder ähnliches gibt, lehne ich mich aus dem Fenster. Danch wieder ein Anfall. Erstmals reagiern die Leute des Spitals, und 5 Minuten später ist ein Arzt da. Eine halbe Stunde später ist das Fensterbrett voller Ameisen, und machen sich an das Erbochene. Etwas später habe ich einen zerbissenen linke Arm. Irgendwann ist sogar ein zweiter Arzt zur Stelle. Ich bekomme Flüssigkeit mit Magnesium intravenös. Und mir gelingt es, eine Eisen-,Magnesium-und Kalziumtablette zu schlucken. Weiters werden meine Muskeln mit einer Creme massiert. All diese Dinge hat Bine vorher bezahlt, und wurde von einer Apotheke extra geholt. Das Spital scheint überhaupt keine Medikamente zu haben. Ein leeres Zimmer, nur ein Bett, ein Tisch und 2 Sesseln. Es riecht nicht einmal nach Desinfektionsmittel. Es sieht eher aus wie ein sehr billiges Hotelzimmer. In den nächsten 2-3 Stunden beginnt sich meine Verfassung zu bessern. Ich habe nun sogar einen funktionierenden Ventilator bekommen. Und nach ungefähr 6 Stunden, die ich vollständig am Rücken liegend verbracht habe, gelingt es uns, mich in seitliche Position zu bringen. Was für eine Erleichterung!
Kambodscha Kambodscha
Um 22 Uhr fühle ich mich in der Lage, mich mit einem Auto ins Hotel bringen zu lassen. Doch es gibt keines. Keiner hat eines, nicht einmal die Ärzte. Schliesslich müssen wir 10 Dollar zahlen, für eine Fahrt, die nur wenige Hundert Meter lang ist. Im Hotel ist es angenehm kühl. Leichte Krampfanfälle und leichte Übelkeit. Es wird keine gute Nacht werden, aber ich habs überstanden. Ich brauche nun einige Tage Erholung. Das wissen Bine und ich. Die Muskel schmerzen von all den vielen Krämpfen. Und mein Körper ist total geschwächt. In den ersten 2 Tagen liege ich nur im Bett. Aber ich habe wieder Durst und Hunger. Ein gutes Zeichen. Am dritten Tag hinke ich schon im Freien herum. Ich bin zwar noch schwach, und die Hitze des Landes macht mir noch zu schaffen, aber das grösste Problem sind meine Muskeln. Sie schmerzen, und die Sehnen wurden wohl sehr in Anspruch genommen. Denn nach jedem Aufstehen dauert es einige Zeit bis ich meine Beine ganz durchstrecken kann. Am 4. Tag gehts mir eigentlich schon sehr gut. Doch da wir einen anstrengenden Abschnitt vor uns haben, nehme ich noch einen fünften Tag. Ausserdem gewittert es in der Nacht ziemlich heftig und lang. So wie öfters in den letzten Tagen. Aber nun kanns weiter gehen. Auf in den Dschungel!

Ab in den Wald

Wir haben eine abenteuerliche Route vor uns. Die ersten 2-3 Tage gibt’s keine Strasse, nur Dschungelpfade für Mopeds und Ochsenkarren. Ab Tbeng Mean Chey soll es auf einer kleinen Staubpiste zu den Tempeln von Kho Ker und dann weitern zu denen von Beng Mealea. Nach 5-6 Tagen wollen wir Siem Reap erreichen. Um halb sechs in der Früh sind wir beim Pier am Sekong und organisieren uns ein kleines Boot, dass uns in 15 Minuten über den Se- und Mekong nach Thala bringt. Autos gibt es hier so gut wie keine, es gibt auch keine Strassen in die „Aussenwelt“. Auf guter Staubpiste radeln wir die ersten Kilometer Richtung Westen. Tiefe Pfützen und riesige Wasserflächen am Rande des Weges ignorieren wir fürs erste. Dann gibt es eine kleine Abzweigung auf einen kleinen Pfad. Dies ist die Hauptroute nach Cheab und weiter nach Tbeng Mean Chey.
Kambodscha Kambodscha
Anfangs noch trocken rollen wir über kleine Wege über Stock und Stein. Aber es geht ganz gut zum Radeln. Aber immer öfters müssen wir Wasserlöcher durchqueren. Manche gelingen uns mit den Rädern. In anderen bleiben wir stecken, und wir müssen – knietief im Wasser – das Fahrrad durchwuchten. Und die Wasserlöcher werden immer mehr. Nach einer Stunde harter Arbeit haben wir nicht einmal 3 Kilometer geschafft. Der Schweiss rinnt uns in der schwülen Luft natürlich in Strömen herunter. Die wenigen Mopeds fahren auch sehr langsam. Wie muss es denn hier in der Regenzeit zugehen? Wir müssen einsehen, dass es in den letzten Nächten einfach zu viel geregnet hat. Schlechtes Timing. Ohne meinem Breakdown in Stung Treng wären wir hier noch sehr gut durchgekommen. Der Weg ist gut zu radeln. Und er ist wunderschön. Aber unter diesen Umständen würde es statt einem Tag, wohl mindestens 3 Tage dauern. Bevor wir umkehren, sitzen wir noch eine halbe Stunde im Schatten. Und lauschen dem Dschungel. Wir sehen und hören exotische Vögel, hören Affen in der Ferne. Toll wie interessant das Land weg von der Hauptstrasse ist. Zurück auf der Staubpiste, frage ich bei einem Haus intensiv nach Alternativrouten, die eventuell trockener sind. Wo führt denn eigentlich diese Piste hin? Nach langem hin und her versuchen wir, eventuell über diese Route durchzukommen. So radeln wir rund 30 Kilometer auf der Piste. Immer wieder fragen wir nach einer Route. Es stellt sich heraus, dass die Strasse bald endet. Und dann gibt es Dschungelpfade nach Cheab. Eventuell machbar in 1 ½ Tagen. Aber die Strecken von Cheab nach Tbeng Mean Chey ist schwierig, und mit viel Wasser. Der Umstand, dass wieder dunkle Wolken aufziehen, hilft uns in unserer schwierigen, aber wohl richtigen Entscheidung. Umkehren. Wir haben einfach Pech mit dem Regen. Als wir einige Stunden später auf dem Boot zurück nach Stung Treng sitzen, fängt es bereits wieder an, heftig herunter zu prasseln. Und vor dem Guesthouse schüttet es kübelweise vom Himmel.

Tempo rausnehmen

Wie gehts nun weiter? Nach 7 Tagen in Kambodscha sind wir erst etwas über 100 Kilometer geradelt. Unzufriedenheit macht sich bei mir breit. Wir radeln nach Süden auf die Hauptstrasse. Gegenwind. Hitze. Und vollkommen uninteressant. Bei einer Pause esse ich herrliche Ananas. Und mir wird furchtbar schlecht. Wieder Kreislaufprobleme. Nach einer Stunde geht es mir aber wieder gut. Wir nehmen einen Pickup um 1 Stunde später in Kratie zu sein. Tags darauf radle ich etwas raus aus Kratie, und bestaune die gefährdetste Säugetierart der Welt. Irrawaddy Delphine, Süsswasserdelphine, die nur auf wenigen Kilometern des Mekong leben. Von der laotischen Grenze bis nach Kratie. In der Trockenzeit auf einige Stellen konzentriert, da sie von den wenigen tiefen Stellen des Mekong abhängig sind. Und ich bekomme sie oft zu sehen. Die Rückenflosse, die Schwanzflosse, und öfters den ganze Kopf. Faszinierend. Wir entschliessen uns, nur nach Bangkok zu radeln, und von dort mit dem Bus nach Südthailand zu fahren,um Bines Eltern dort zu treffen. Der Zeitplan ist einfach zu eng. Wenn wir nur Hauptstrassen radeln und keine Zeit für etwas Interessantes haben, stellt sich bei mir die Frage nach dem Sinn unserer Reise. So nehmen wir ab nun nur kleine Strassen, und radeln einige Umwege. Aber es soll wieder Spass machen.

Unterwegs auf kleinen Pfaden

So bleiben wir am Mekong, radeln über eine kleine Staubpiste nach Chhlong. Dann per Fähre über den Mekong. Und auf kleinen Wegen, auf denen fast nur Mopeds unterwegs sind am Nordufer nach Stong Treng. Manchmal nur ein kleiner Pfad direkt am Flussufer. Beschauliches Landleben. Tolle Tempel. Strom gibt es keinen. Wir sehen viele Autobatterien entlang des Pfades. Und Leute, die Geld verdienen, indem sie diese mit aufgeladenen Batterien austauschen, und die alten mitnehmen, um sie wieder aufzuladen. Auch Bine gefällt es hier. Und sehr, sehr freundliche Menschen, die wohl nur sehr selten Reisende zu Gesicht bekommen.
Kambodscha Kambodscha
Die Strecke nach Kampong Thom ist dann meistens sogar Asfalt. Hier gönnen wir uns ein AC-Hotel, denn in der Nacht haben wir schon lange nicht mehr gut geschlafen. Zu heiss sind die Tage, und zu heiss und stickig die Zimmer. Entlang der abgeschiedeneren Route gibts Strom nur in den grösseren Orten, und dort auch nur von 18-22 Uhr. Es gibt also auch keine funktionierende Ventilatoren in der Nacht. Ein kleines Indien Revival.

Die Tempeln von Sambor

Am nächsten Tag radle ich zu den Tempelanlagen von Sambor, 30 Kilometer nordöstlich von Kampong Thom. Es sind dies die ältesten Tempelanlangen von Kambodscha. Schon um halb acht Uhr früh bin ich dort. Noch kein Mensch da, also radle ich durch die Tempelanlagen, die mitten im Dschungel liegen und mit kleinen Fusspfaden miteinander verbunden sind. Die Tempel sind in unterschiedlichen Zuständen: bewachsen, eingestürzte Kuppeln, mit Baumwurzeln überwuchert, verwittert. Für mich faszinierend und mystisch. Wieder zurück beim Eingang bietet sich mir ein Guide an, der mich für ein paar Dollar durch ein paar Tempel führt. Mit vielen Erklärungen. Das macht alles natürlich doppelt so interessant. Die Tempel sind aus Ziegeln erbaut, die damals im 6 Jahrhundert nach Christus hier in der Gegend hergestellt wurden. Perfekt und nahtlos sind sie zusammengefügt. Ohne Zement! Die Eingänge sind allerdings aus Limestone gefertigt. Und das ist damals von weither transportiert worden. Viele Schäden sind durch die Amerikaner während des Vietnam Kriegs durch Bombenangriffe entstanden. Der Haupttempel von Sambor ist seit dem ohne Kuppel. Der Guide zeigt mir einen riesigen Krater, so 15 Meter im Durchmesser, der jetzt mit Bäumen bewachsen ist. Ein Bombenkrater. Unter dem grausamen Pol Pot Regime sind ebenfalls zahlreiche Tempel zerstört worden. „Broken“ ist wohl das Wort, das mein Guide am häufigsten von sich gibt. Zerstört vom Zahn der Zeit, denn viele Relikte sind erst in den letzten Jahrzehnten ausgegraben worden. Zerstört während des Pol Poth Regimes. Zerstört von den Amerikanern. Die Tempel mögen oberflächlich gesehen alle gleich aussehen. Aber im Detail ist jeder einzigartig. Meist ein Eingang, manche 2. Der Haupttempel hat als einziger vier Eingänge. Die Kuppeln waren ursprünglich natürlich alle geschlossen. Nun sind viele zerstört und daher offen. Ein einzige Kuppel ist noch intakt. Und dort hausen jetzt Fledermäuse. Die Grundrisse sind verschieden. Natürlich die Verzierungen und Figuren, mit all ihrer für mich undurchschaubaren Symbolik des Hinduismus.
Kambodscha Kambodscha
Kambodscha Kambodscha
Am faszinierend für mich ist ein Tempel, der fast komplett von den Wurzeln eines riesigen Feigenbaumes überwuchert ist. Die hellen Wurzeln umschlingen quasi den ganzen Tempel. Wau! Ein Teil des Baumes ist entfernt worden, ansonsten könnte durch die Schwere des Baumes der Tempel einstürzen. Bei kompletten Entfernen des Baumes befürchtet man, dass der ganze Tempel einstürzen könnte. Dann müsste man allerdings auch den Namen des Tempels ändern. „Prasat Chrey“ heisst er, wobei „Prasat“ Tempel heisst, und „Chrey“ der Name des Baumes, der ihn umwuchert. Mit zahlreichem, neuen Wissen und tollen Eindrücken von den Tempeln im Dschungel radle ich gut gelaunt die 30 Kilometer über Staubpisten zurück nach Kampong Thom. Der nächste Tag ist ein Zwangsruhetag, da ich in der Nacht heftigen Durchfall bekomme. Typisch für Kambodscha, denn die hygienischen Verhältnisse sind wirklich unterm Hund hier. Wir waren noch in keinem Land, in dem auch die Märkte grauslich sind, nach Abfall, vefaulten Gemüse und Fisch stinken. Das Essen am Land gibts fertig in Töpfen, die allesamt den ganzen Tag einfach in der Sonne stehen. Und überall ist Fleisch drinnen. Verwunderlich, dass dafür das Preisniveau noch höher als in Laos ist. Viel Geld für wenig und grausliches Essen.

Doch nach Tbeng Meng Cheys

Danach geht’s aber los. Wir radeln nicht auf der Hauptstrasse nach Siem Reap, sondern schlagen fürs erste einmal einen Weg nach Norden ein. Die zwei Tage über Staubpiste hinauf nach Tbeng Mean Chey sind sehr nett. Teilweise wenige Orte, und der Dschungel reicht manchmal wie eine grüne Wand ganz dicht an die Strasse. Nachts regnet es, so wie fast in jeder, ziemlich heftig. Die Piste hält aber auch am nächsten Morgen ganz gut. Dann sind die Pflanzen rein gewaschen und intensiv grün, und die Piste leuchtet in tiefem Rot. Hätte es mit der Dschungelroute geklappt wären wier hier nach Tbeng Mean Chey schon vor fast 10 Tagen erreicht! Die Weiterfahrt ist aber dann etwas schwieriger, weil sehr schlammig und tiefe Piste. Aber wir kommen noch ganz gut durch. Mittags ist alles wieder trocken. Wir sind nun bei den berühmten Koh Ker Tempeln, die wunderschön im Wald liegen. Überall gibt es Minenwarnschilder, und Schilder über entminte Gebiete. Minen sind ein ganz grosses Problem in Kambodscha, besonders in abgelegenen Gebieten. Den Weg sollte man wirklich nie verlassen!

Angkor Wat

Zwei Tage später erreichen wir Siem Reap, das ganz in der Nähe von den berühmten Tempelanlagen von Angkor Wat liegt.Der „Umweg“über die kleineren Strassen nach Norden haben sich auf jeden Fall ausgezahlt. Auch die Menschen sind in diesen Gebieten viel freundlicher und offener als entlang der Hauptstrasse.
Kambodscha Kambodscha
Kambodscha Kambodscha
Da Angkor Wat als "achtes Weltwunder" bezeichnet wird, ist hier natürlich touristisch sehr, sehr viel los. Hunderte Hotels, Gästehäuser, Lokale, Bars und Geschäfte reihen sich in den paar Strassen der Stadt. Schwer ein Hotel zu finden, in dem im Namen nicht das Wort „Angkor“ vorkommt. Die Tempelanlagen sind einige Kilometer ausserhalb von Siem Reap. Wir erkunden dieses Gebiet natürlich mit unseren Rädern, die meisten fahren natürlich mit Tuk Tuks oder Bussen herum. Am besten erhalten bzw. restauriert ist der Tempel Angkor Wat selbst. Umschlossen von riesigen Wasserflächen ragen die drei berühmten und charakteristischen Türme schon von weitem empor. Der Bayon Tempel gefällt Bine und mir aber noch besser. Hier sind überall Buddha Gesichter in die Wänder und Türme gebaut. Von allen Seiten wird man von freundlich grinsenden Buddhas angeschaut! Am allerbesten finde ich aber Ta Prohm. Ein Tempel, der schon ziemlich von der Natur eingenommen ist. Bäume wachsen auf den Mauern und Dächern, Wurzeln schlingen sich um die Bauwerke. Toll!

Abschied nehmen

Jetzt ist es nicht mehr weit nach Thailand. Fast ein Monat waren wir hier, vollkommen ungeplant. Generell war der Besuch von Kambodscha sehr spontan. Und wegen meinem Zusammenbruch und der langen Route, die wir geradelt sind, hat alles nun fast 4 Wochen gedauert. Aber voll von Abenteuer, tollen Pisten, freundlichen Menschen. Und atemberaubenden Tempeln mitten im Dschungel! Die rund 140 Kilometer entlang der Hauptstrasse zur thailändischen Grenze sind erwartungsgemäss stinklangweilig. Und für uns beschwerlich, da wir beide (diesmal tut sich auch Bine schwer) unter der Hitze leiden, wir vielleicht auch aufgrund der Ernährung gesundheitlich nicht auf der Höhe sind. Wie auch immer. Chaos an der Grenze, leichte Ausreise. Vorbei an den kambodschanischen Kasinos, die im „Niemandsland“ für thailändische Touristen gebaut wurden (Glücksspiel ist in Thailand wohl verboten), und rein ins Essens- und Budgetparadies Thailand!
Kambodscha Kambodscha
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